Aus dem Dänischen von Hannes Langendörfer. Winter 1993. Ein junger Europäer landet in New York und sucht die legendäre Performancetruppe The Wooster Group auf. Er will die Bühne erobern und der neue Willem Dafoe, der neue Messias werden, auch ohne Geld und ohne Dach über dem Kopf. Alles, was er hat, ist eine mysteriöse Telefonliste. Auf gut Glück wählt er eine Nummer und betritt eine ganz mit Velours ausgekleidete Parallelwelt aus bizarren Ritualen, Wahnsinn und Warhol-Werken. Was ist echt und was ist Schein, wo beginnt der Albtraum und wo die Realität?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2020
Rezensentin Frauke Meyer-Gosau hält Madame Nielsens Roman für "Kokolores". Die Geschichte um einen obsessiven jungen Mann, der in New Yorks Theater- und Schwulenszene eintaucht, Andy Warhol, Susan Sontag, Willem Dafoe und seine Wooster Group und zwei pervertierte Zwillinge kennenlernt, scheint der Rezensentin wirr, auf Redundanz aufgebaut und mit ihrer Tendenz zur Beschwörung des Protagonisten als Erlöserfigur reichlich kitschig und von unfreiwilliger Komik.
Dringlichkeit besteht immer im Roman von Madame Nielsen, vertraut uns Rezensent Christoph Schröder an. Was die den Leser fordernde zeitschleifenartige groteske Handlung im Buch schließlich aufreißt, verrät er nicht, nur, dass der Erzähler namenlos bleibt, seine Bekanntschaften und Erlebnisse in den Performancekünstlerkreisen im New York der Siebziger rätsel-, ja alptraumhaft sind. An Lynch und das Serielle bei Warhol erinnernd fordert der mit verschiedenen Realitätsebenen arbeitende Text Schröder einige Aufmerksamkeit ab, belohnt ihn aber auch mit bösen satirischen Pointen, postmodernen Diskursen und Komik.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.01.2020
Maike Albath warnt vor einer durchaus unangenehmen Lektüreerfahrung mit Madame Nielsens Buch. Dass hier Grenzen fallen, Körpergrenzen vor allem, hat laut Albath den Effekt, dass gesellschaftliche und politische Fragen nicht mehr formuliert, sondern nur noch "körperpolitisch" ausagiert werden können. Das gelingt zwar, führt aber auch zur Verstörung der Leserin, die nicht einmal zu sagen weiß, ob es im Buch um Performance geht oder um das wahrhaftige Protokoll eines Selbstverlustes durch sexuelle Gewalt. Schließlich treten neben einem monströsen Bruderpaar, mit dem der Held der Story rituellen Geschlechtsverkehr hat, auch Mitglieder der New Yorker Wooster-Group um Willem Dafoe auf, der die Autorin selbst angehörte, wie Albath weiß.
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