Als Benito Mussolini im Juni 1940 vom Balkon des Palazzo Venezia aus "die Stunde der unwiderruflichen Entscheidungen" verkündet, ist das der Anfang vom Ende: Der unaufhaltsame Niedergang des Faschismus hat begonnen. Der Roman schildert den Kriegsverlauf an den Fronten: von Afrika bis Griechenland, vom Balkan bis zu den Alpen, wo die italienischen Armeen auch Engländern und Franzosen gegenüberstehen. Doch die verhängnisvollen Entscheidungen und katastrophalen Niederlagen häufen sich - und die Welt lässt sich von Benito Mussolini nicht mehr täuschen. Glänzend Antonio Scurati Mussolinis erschreckenden Wahn und seinen Niedergang. "Das Buch des Krieges" ist ein großer literarischer Wurf und ein Mahnmal gegen den Faschismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.11.2024
Rezensent Thomas Steinfeld ist beeindruckt vom vierten Band der Romanreihe Antonio Scuratis über den italienischen Faschismus, in dem dieser Autor die Treue von Mussolinis Anhängern sichtbar macht: In Fragmenten komponiert Scurati eine Welt, die sich immer mehr und immer bedingungsloser um den "Duce" dreht. Steinfeld lobt den "eindringlichen, lebendigen, manchmal expressionistisch aufflammenden" Sprachausdruck des Autors, der auf diese Weise dem faschistischen Pathos nachzuspüren versuche. Scurati kenne sich mit der Materie aus, den aufklärerischen Anspruch seines Vorhabens sieht Steinfeld durchaus erfüllt. Denn Scuratis Realismus stilisiere Mussolini nicht zur bösen Trugfigur, sondern zeige ihn als gewöhnlichen Menschen mit der "außergewöhnlichen Fähigkeit", die Bedürfnisse der Menschen zu antizipieren und verführerisch zu befriedigen - es gibt also für die Massen, die dem Duce blind folgen keine "mildernden Umstände." Es fehlt dem Roman außerdem nicht an Grausamkeit, meint Steinfeld, der dahinter keinen Voyeurismus, sondern eine Art Verwantwortungsgefühl für die Schilderung von Gräueltaten ausmacht. Den Populismus am Faschismus aufzuzeigen und damit auf die Gefahren der Gegenwart hinzuweisen, ist in Steinfelds Augen das große Verdienst dieses Romans.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Schon den vierten Band von Antonio Scuratis Romanreihe über Mussolini hat Kritikerin Christiane Pöhlmann nun vor sich: Ging es in den Bänden zuvor um seinen Aufstieg zum Diktator Italiens, ist nun der rasante Absturz Thema. Mit großer "stilistischer Bandbreite" schreibt Scurati über die eitlen Verwirrungen, die Mussolini umtreiben, als er beispielsweise überzeugt ist, eine bestens ausgerüstete Armee in den Krieg zu schicken oder aber nicht in der Lage ist, in den schlecht angezogenen Männern aus dem "Großen Rat" einstige Verbündete zu erkennen, so Pöhlmann. Ein kleines Manko des Bandes ist, dass die normale Bevölkerung und ihr Leben im Faschismus nicht zu Wort kommen, merkt sie an, auch gefallen ihr die vorhergegangenen Bände etwas besser, dennoch handelt es sich hierbei um das lesenswerte "Psychogramm eines Aufsteigers."
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