Aus dem Italienischen und mit einem Nachwort von Claus Gatterer. Lakonisch demontiert Emilio Lussu die Legende von Mussolinis glorreicher Machtergreifung in den 1920er Jahren: Die desorganisierten faschistischen Marschkolonnen waren im Schlamm stecken geblieben, während Mussolini im Schlafwagen von Mailand nach Rom reiste, um von Vittorio Emanuele III. den Regierungsauftrag entgegenzunehmen. Erst nach seinem feierlichen Empfang ließ der Duce seine Truppen einsammeln und in Sonderzügen zur Siegesparade in die Hauptstadt nachholen.In knappen Schilderungen und packenden Dialogen werden die Selbstherrlichkeit des faschistischen Regimes und die Verlogenheit seiner Mitläufer ebenso erlebbar wie die Weigerung des Sarden Lussu und seiner Freunde, der Schmierenkomödie der Macht tatenlos zuzusehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2007
Brillant findet Rezensent Franz Haas diesen Bericht über Mussolinis Aufstieg und die Anfänge des Faschismus in Italien, den Emilio Lussu 1933 im französischen Exil verfasst hat und der nun in einer deutschen Neuauflage vorliegt. Die historischen Ereignisse sowie die Erfahrungen des Autors, der als Parlamentsabgeordneter einen hartnäckigen Kampf gegen den Faschismus führte, bis er nach Lipari verbannt wurde, von wo ihm 1929 schließlich die Flucht nach Frankreich gelang, sind nach Ansicht von Haas in "beklemmend genauer und blutfrischer Nahaufnahme" beschrieben. Haas attestiert dem Autor die "Kompetenz des Augenzeugen" und den "Witz des Satirikers". Lussu demontiere den legendären Marsch auf Rom etwa als eine später "hochstilisierte peinliche Maskerade". Dabei lasse Lussu keine Zweifel daran, dass die "komische Tragödie" um Mussolinis Aufstieg spätestens 1926 nach einem Attentat auf den Duce in eine "grausige Katastrophe" umschlug.
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