Lyonel Trouillot

Yanvalou für Charlie

Roman
Cover: Yanvalou für Charlie
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2016
ISBN 9783954380664
Gebunden, 176 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer und Claudia Steinitz. Mathurin Saint-Fort ist ein junger, ehrgeiziger Anwalt, der es aus einfachen Verhältnissen in höhere Gesellschaftskreise gebracht hat. Er weiß, je weiter oben man ist, desto besser kann man auf die anderen herabschauen. Aber dann steht eines Tages der vierzehnjährige Charlie vor seiner Haustür und gibt vor, aus demselben Dorf zu stammen wie Mathurin. Charlie ist nach einem verunglückten Raubüberfall auf der Flucht und bittet den Anwalt um Hilfe. Gegen seinen Willen und von einem auf den anderen Tag wird Mathurin in einen Teufelskreis aus Armut und Gewalt gezogen, und schon bald muss er einsehen, dass alles, worauf er seine Existenz gründet, eine fatale Illusion ist. Lyonel Trouillot hat mit "Yanvalou für Charlie" einen Roman über ein vom Schicksal verdammtes Land geschrieben, der zugleich eine  Reflexion ist über Identität und das Verhältnis der Menschen zu den eigenen Wurzeln.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.03.2017

Lionel Trouillots Roman ist eine Aufforderung, der eigenen Herkunft zu gedenken, sie nicht als Last zu empfinden, sondern als "Brücke in die Gegenwart", spürt Rezensentin Irene Binal, mehr als dass sie es weiß. Dies lernt auch der Protagonist in Trouillots Roman, der, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, es geschafft hat, sich nach oben zu arbeiten und dem noch eine große Karriere bevorsteht, doch mitten in seinem Aufstieg begegnet er einem flüchtigen Jungen aus dem Waisenhaus, der sein Leben und seine Sicht auf sein Land und seine Geschichte verändert, lesen wir. In funkelnd poetischer Sprache zeichnet der haitianische Schriftsteller ein Bild der von den extremen Gegensätzen zwischen Arm und Reich geprägten Gesellschaft Haitis, darüber hinaus aber ist "Yanvalou für Charlie" vor allem eine kunstfertig erzählte "bittersüße Liebeserklärung" an das Land und seine Leute, so die hingerissene Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2017

Rezensent Tobias Lehmkuhl staunt, wie elegant Lyonel Troillot mit der Fülle dieses schmalen Romans umzugehen weiß. Erzählt wird aus drei verschiedenen Perspektiven zunächst die Geschichte des Haitianers Dieutor, dem der soziale Aufstieg gelingt und der seine Vergangenheit verdrängt, bis ihm eines Tages der junge Charlie begegnet, dessen Schicksal die eigenen Erinnerungen wachruft, resümiert Lehmkuhl. Bis zum tragischen und spannenden Finale gelingt es Troillot, "tempo- und abwechslungsreich" von Vergangenheit und Gegenwart, Stadt und Land und dem Gegensatz zwischen Arm und Reich auf Haiti zu erzählen, lobt der Rezensent, der unbedingt einen Nachfolge-Band erwartet.
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