Aus dem Französischen von Ingeborg Schmutte. Port-au-Prince 2010: Das Anwesen der wohlhabenden Familie Bernier ist vom Erdbeben verschont geblieben, aber die Katastrophe erschüttert ihr Leben dennoch. Alexandre, der älteste Sohn, leidet an Schizophrenie. Die Anstalt, in der er 40 Jahre gelebt hat, muss schließen, die Familie hat 48 Stunden, um ihn nach Hause zu holen. Seine Rückkehr verändert das Leben aller Hausbewohner, von der über achtzigjährigen Mutter bis zum Dienstpersonal. Verschüttete Erinnerungen treten wieder zu Tage, hinter den Konflikten in einer Familie treten die Risse der haitianischen Gesellschaft zutage.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2016
Tief beeindruckt hat Cornelius Wüllenkemper Kettly Mars' Roman "Ich bin am Leben" gelesen, der am Beispiel der großbürgerlichen Familie Bernier von den Folgen des Erdbebens im Jahre 2010 und den erstarrten Strukturen in Haiti erzählt. Im Gegensatz zum Vorgänger-Roman "Vor dem Verdursten" erkennt der Kritiker hier zwar erste Anzeichen von Hoffnung, liest aber auch erschüttert, wie wenig der versprochenen Hilfsangebote Haiti letztendlich erreichten. Zugleich erlebt er in diesem eindringlichen Familien- und Gesellschaftsroman den Untergang der Familie Bernier unter dem Duvalier-Regime und beobachtet gebannt, wie das Erdbeben und die Rückkehr des schizophrenen Sohnes Alexandre das anhaltende Schweigen und die emotionale Erstarrung aufzubrechen beginnen. Wie ruhig, vielstimmig und bewegend die haitianische Autorin davon erzählt und wie gelungen sie individuelle mit gesellschaftlichen Schicksalen verwebt, ringt dem Rezensenten höchste Anerkennung ab.
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