Marie Vieux-Chauvet

Wiedersehen in Fonds-des-Negres

Roman
Cover: Wiedersehen in Fonds-des-Negres
Manesse Verlag, Zürich 2024
ISBN 9783717525516
Gebunden, 240 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Nathalie Lemmens. Mit einem Nachwort von Kaiama L. Glover. Marie-Ange Louisius hat als Kind zusammen mit ihrer Mutter das Dorf Fonds-des-Nègres verlassen, um in Port-au-Prince ein besseres Leben zu finden. Nun sucht die Mutter im Ausland eine Anstellung als Dienstmädchen und will ihre Tochter nachholen, sobald sie Fuß gefasst hat. Marie-Ange kehrt deshalb zu ihrer Großmutter nach Fonds-des-Nègres zurück. Die alte Frau ist eine Heilkundige, die sich auf die Kräfte von Kräutern und die religiösen Riten des Vodou versteht. Das ist für die katholisch erzogene Städterin, die Französisch, die Sprache der Kolonisatoren gelernt hat, vollkommen fremd. Zudem entsetzen sie Armut und Perspektivlosigkeit der abergläubischen Bauern, die ihre Felder durch übermäßige Rodung zerstört haben und nun nichts als Hunger erzeugen. Mit Hilfe des Priesters "Papa" le Houngan gelingt es Marie-Ange schließlich sich mit der Kultur, den Sitten und Gebräuchen des Dorfes zu verbinden, die Bauern aus ihrer Passivität zu befreien und sie von einem ertragreichen, nachhaltigen Ackerbau zu überzeugen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.11.2024

Die haitianische Schriftstellerin Marie Vieux-Chauvet kennt Kritikerin Nora Karches vor allem durch deren Roman "Liebe, Wut, Wahnsinn", der mit der Duvalier-Diktatur abrechnet. Auf Deutsch ist jetzt ein Roman aus ihrem Frühwerks erschienen, der für Karches nicht ganz an ihr Opus Magnum heranreicht. Es geht um die junge Frau Marie-Ange, die zu ihrer Großmutter in ein abgeschiedenes Bergdorf zurückkehrt. Die Armut der Bevölkerung erklärt die Autorin als Resultat von Urwaldrodungen und fatalistischem Voodoo-Glauben, erfahren wir. Die marxistische Prägung des Buches, in dem "dein Arbeitseifer dein Kapital ist", irritiert Karches ebenso wie die kitschige Auflösung der Handlung in ein sozialistisches Paradies. Sie empfiehlt, lieber zu warten, bis Manesse auch Vieux-Chauvets vergriffenes Hauptwerk neu herausbringt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.08.2024

In Haiti heißen diejenigen, die nicht in den Städten wohnen, "Menschen von draußen", lernt Rezensentin Dina Netz von der haitianischen Autorin Marie Vieux-Chauvet, deren Werk nun endlich von Nathalie Lemmens ins Deutsche übertragen wird. Die Protagonistin Marie-Ange wird von ihrer Mutter, die sich im Ausland einen Job sucht, bei der Großmutter geparkt und erschreckt vor der Armut, in die sie in dem Dorf hineingerät, erfahren wir. Mit politischem und feministischem Anspruch schreibt Vieux-Chauvet über Armut, Aberglauben und geringe Bildung: Dabei behält aber immer der literarische Anspruch mit vielschichtigen Figuren und Beobachtungen die Oberhand, versichert die überzeugte Kritikerin.

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