Lutz Hachmeister

Heideggers Testament

Der Philosoph, der Spiegel und die SS
Cover: Heideggers Testament
Propyläen Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783549074473
Gebunden, 368 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Im Jahr 1966 kam es zu dem legendären Spiegel-Gespräch mit Martin Heidegger. Auf Wunsch des Philosophen wurde es erst 1976, nach seinem Tod, veröffentlicht. Vorbereitet hatte es Spiegel-Ressortleiter Georg Wolff, ein ehemaliger SS-Hauptsturmführer und Geheimagent, der zusammen mit Rudolf Augstein das Gespräch führte. Die Resonanz war überwältigend, äußerte sich Heidegger doch erstmals über sein umstrittenes Verhältnis zum Nationalsozialismus. Lutz Hachmeister beleuchtet die Hintergründe des Gesprächs und enthüllt das sonderbare Zusammenspiel von Heideggers Vertuschungsstrategie und Augsteins Faszination für den nationalkonservativen Denker.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2014

Uwe Justus Wenzel rühmt die Recherche des Autors und Filmemachers Lutz Hachmeister und seine Leistung, Vor- und Nachgeschichte des legendären Spiegel-Interviews sowie die Geschichte der Beteiligten möglichst abgeklärt mittels filmischer Dramaturgie zu erzählen. Dabei erschließt sich dem Rezensenten deutsche Vergangenheit, dunkle zumeist, denn es geht wesentlich um Heideggers Nähe zum Dritten Reich und die SS-Vergangeheit des Spiegel-Redakteurs Georg Wolff, der zusammen mit Rudolf Augstein das Interview führte. Zwar lässt der Autor den Leser laut Wenzel wissen, dass keine Text-Korrekturen von Seiten Heideggers vorgenommen wurden, deutlich wird jedoch auch, dass Heidegger vom Spiegel keine allzu kritischen Fragen gestellt bekam. Hachmeisters Charakterisierung von Heideggers Verhältnis zu Medien und Öffentlichkeit als "konsequent inkonsequent" erscheint dem Rezensenten treffend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2014

Einen ganz gewöhnlichen Barbaren erkennt Willi Winkler in Martin Heidegger. Aber nicht anhand dieser Totalexegese des Spiegel-Gesprächs mit Heidegger von 1966, sondern beim Lesen von Heideggers Schriften. Das von Lutz Hachmeister mit großem Aufwand auseinandergenommene Interview dagegen hinterlässt bei Winkler weniger schwarzwalddunkle Eigentlichkeit, als eben den Eindruck eines recht bedeutungslosen, von Augstein und dem ehemaligen SS-Hauptsturmführer Georg Wolff noch dazu quasi knieend geführten Interviews. Schade, findet Winkler. Dem Autor und seiner Recherchekompetenz traut er mehr zu, womöglich sogar eine kritische Heidegger-Biografie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014

Moral - gibt es im unsäglichen Spiegel-Interview mit Martin Heidegger, dessen Geschichte der Band von Lutz Hachmeister dokumentiert, eigentlich nicht, meint Rezensent Jürgen Kaube. Wenn doch, dann sieht der Rezensent sie in Bezug auf journalistische Standards, insbesondere betreffend den aufklärerischen Drive, den er hier mit Füßen getreten sieht. Allerdings geht ja nicht so sehr um das Interview, als um Hachmeisters Blick darauf, nicht wahr. Und da bleibt Kaube vergleichsweise einsilbig. Am stärksten scheinen ihm die Abschnitte über den Interviewer Georg Wolff, einen ehemaligen SS-Mann. Dem rückt der Autor offenbar tüchtig auf den Leib, und zu Recht, wie Kaube findet. Das Buch nennt er entsprechend auch ein szenisch gut eingefangenes Gruppenbild (mit Nazi halt), das zwar auch die "Klatschseite des Geistes" nicht auslässt, sie jedoch eher abgeklärt präsentiert, wie der Rezensent schreibt.