Lutz Dammbeck

Das Netz

Die Konstruktion des Unabombers
Cover: Das Netz
Edition Nautilus, Hamburg 2005
ISBN 9783894014537
Gebunden, 192 Seiten, 13,90 EUR

Klappentext

Im Anhang: Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft (Unabomber-Manifest).

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2005

Ein anregendes, aber auch spekulatives Buch. So kann man Wolfgang Krischkes Kritik von Lutz Dammbecks "Das Netz - die Konstruktion des Unabombers" zusammenfassen. Dieses Fazit verwundert nicht, hat das Buch doch einen so anregenden wie zwiespältigen Gegenstand, nämlich den Thoreau-artigen einstigen Mathematikprofessor Ted Kaczynski, der 1996 von FBI-Beamten in den Wäldern von Montana verhaftet wurde. Der "Unabomber" hat drei Tote und 23 Verwundete zu verantworten. Dass der Briefbombenattentäter heute eine lebenslängliche Haftstrafe absitzen muss, bringt Dammbeck damit in Verbindung, dass Kaczynski 1959 in Harvard an einem psychologischen Experiment teilnahm, in dessen Rahmen ein Freund und Wegbegleiter von LSD-Apostel Timothy Leary "das Verhalten von Hochbegabten unter psychischem Druck" erforschen wollte. Ging dabei etwas schief? Die moderne hochtechnologische Cyberspace- und Informationsgesellschaft lehnt Kaczynski jedenfalls rundum und radikal ab, wie man in seinem im Buch abgedruckten Manifest "Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft" nachlesen kann - denn ihre Zukunft kann, so der "Unabomber", nur die Auslöschung der industriellen Gesellschaft sein. Dammbecks Werk, das auf einem Dokumentarfilm basiert, liefert, das betont Krischke, "immerhin wertvolles Material für eine Kulturgeschichte des digitalen Netzes, die noch zu schreiben ist".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.01.2005

In einem Aufwasch und ohne auf Unterschiede einzugehen bespricht Georg Seeßlen den Film und das Buch "Das Netz", die nun zeitgleich in die Kinos und in die Buchhandlungen kommen. Was, so Seeßlen, zunächst wie eine Schwäche von Lutz Dammbeck erscheinen möge, erweise sich zuletzt gerade als seine größte Stärke: nämlich die Verweigerung von Antworten auf all die Fragen, die er stellt, die Verweigerung von Beweisen für die Unterstellungen, die er immerzu produziert. Die verschwörungstheoretische Insinuation wird so zum kongenialen Symptom einer Welt, für die längst gilt: "Es gibt keine Wirklichkeit, die man vorfindet, sondern eine, die man macht." Es geht, in weiten Kreisen und Abschweifungen, um die USA als Ort einer großen Wirklichkeitsveränderung, die mit den Namen Andy Warhol und John Brockman und Figuren wie dem Una-Bomber Kaczynski vage genug umrissen ist. Sie alle kommen zu Wort und Nähen werden suggeriert, so Seeßlen, ohne dass Dammbeck Eindeutigkeiten herzustellen geneigt ist. Eben darin aber sei er "einzigartig".