Aus dem Englischen von Lars Stubbe. "Zeit ist Geld", sagt man, und: "Die Zeit rast" - doch seit wann und warum nehmen wir sie so wahr, als Druck, als Drohung? So anschaulich wie anekdotenreich zeichnet Thompson den Wandel der Zeit vom Beginn der Industrialisierung bis zum noch heute bestehenden Kampf um jede freie Minute nach. Holloway aktualisiert in seiner Einführung die Thesen und zeigt mögliche Perspektiven auf. Vor gut 200 Jahren wurde im Zuge der Industriellen Revolution in England die Zeit zur Uhr-Zeit. Gelebte, an der Natur gemessene Zeit wird zu "mit Arbeit" der "in Freizeit" verbrachter Zeit, zu "genutzter" oder "verschwendeter" Zeit. 1967 stellte E.P. Thompson in seinem Essay dar, dass die veränderte Auffassung der Zeit nicht nur ein Symptom des sich durchsetzenden Kapitalismus ist, sondern ein Schlüsselelement zum Verständnis der modernen Gesellschaft. Von der Organisation und Teilung der Arbeit bis zur durchgeplanten Freizeitgestaltung, alle Strukturen sind von Zeitmessern durchgetaktet. Für die Neuauflage dieses Klassikers (erstveröffentlicht unter dem Titel Zeit, Arbeitsdisziplin und Industriekapitalismus) schrieb John Holloway jetzt ein Vorwort.
Eine ebenso erhellende wie unterhaltsame Lektüre sieht Rezensent Kolja Mensing in diesem Essay über "Zeitempfinden" und "Arbeitsdisziplin" des 1993 verstorbenen marxistischen Historikers Edward P. Thompson. Der vor vierzig Jahren erstmals in der Zeitschrift "Past und Present" veröffentlichte Aufsatz scheint Mensing immer noch frisch und aktuell. Die Geschichte der Arbeitsdisziplin erzählt Thompson für ihn darin als Geschichte des Zeitmanagements, die verdeutlicht, wie die Zeitkontrolle der Fabrikarbeit dem Leben zunehmend ihren Takt aufzwingt. Besonders gefallen hat Mensing die fesselnde, scharfzüngige und pointierte Darstellung Thompsons. Auf das "halb kämpferische, halb esoterische" Vorwort des Politikwissenschaftlers John Holloway hätte der Rezensent dagegen gut verzichten können.
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