Im 20. Jahrhundert knüpften die Schweiz und Ruanda enge Beziehungen. Anfängliche Kontakte zwischen Schweizer Missionaren und der ruandischen Bevölkerung festigten sich zu einer vielfältigen zwischenstaatlichen Zusammenarbeit. Die kolonialen und postkolonialen Verbindungen entstanden aus der Vorstellung, Ruanda nach westlichem Vorbild entwickeln zu können, und aus dem Wunsch beider Länder nach nationaler Selbstbestätigung. Die ersten Schweizer in Ruanda waren Missionare. Sie beteiligten sich am Aufbau der katholischen Kirche in Ruanda und besetzten leitende Positionen, darunter das Bischofsamt. Nach der Unabhängigkeit Ruandas 1962 bestimmte die Schweizer Entwicklungshilfe Ruanda zu ihrem Schwerpunktland in Afrika. Sie baute die grösste Produzenten- und Konsumgenossenschaft des Landes (Trafipro) auf. Zudem entsandte die Schweiz zwischen 1963 und 1975 fünf Präsidentenberater nach Kigali. Das Buch stellt die lange Verflechtungsgeschichte der beiden Staaten ins Zentrum, in deren Verlauf es zwischen 1959 und 1973 auch zu Massenverbrechen und Fluchtbewegungen kam. Der Autor analysiert die vielfältigen Interessen auf staatlicher und individueller Ebene sowie die von Widersprüchen geprägte schweizerische Hilfe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2014
Lukas Zürchers Studie über das Engagement der Schweiz in Ruanda bietet Philip Rosin einen Einblick in die von nationalem Prestigedenken und Eigeninteresse gesteuerte eidgenössische Diplomatie im Fall Ruandas. Der Text, der laut Rosin sowohl historische Analogien zwischen den beiden Ländern sichtbar macht, als auch die Sonderstellung der Schweiz in Ruanda, scheint dem Rezensenten zwar weder die innenpolitischen Debatten ausführlich zu dokumentieren noch Ruanda in die schweizerische Entwicklungshilfe einzuordnen, beklemmend wirkt das Buch auf Rosin dennoch, weiß er doch um den Fortgang der ruandischen Geschichte, den Zürcher ebenfalls nicht behandelt.
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