Ludwig Homann

Der Hunne am Tor

Roman
Cover: Der Hunne am Tor
Haffmans Verlag, Zürich 2001
ISBN 9783251005024
Gebunden, 288 Seiten, 19,94 EUR

Klappentext

Dieses Buch ist die Fortführung Homanns Roman "Der weiße Jude". Fridtjof Beese, inzwischen ein alter Mann, lebt in einer kleinen westfälischen Gemeinde und scheint mit seinem Leben abgeschlossen zu haben. Doch er wird auf schreckliche Weise von seiner Vergangenheit wieder eingeholt, als er erfährt, dass sein Enkel sich in einer rechtsradikalen Kampfsportgruppe herumtreibt, die sich gerade rüstet, mit einem neu in der Gemeinde aufgestellten Wohncontainer für Asylbewerber kurzen Prozess zu machen. In dieser Situation trifft Fridtjof einen Verwandten eben jenes Jugendfreundes, den er im Dritten Reich den Nazis ausgeliefert hat, einen Schriftsteller aus Israel. Zum ersten Mal kann Fridtjof über seine Vergangenheit sprechen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.10.2001

Jörg Plath ist von diesem zweiten Teil der Lebensgeschichte des Fridjof Breese enttäuscht. Wie im ersten Roman "Der weiße Jude", informiert er vorab, geht es um Idealismus und Verrat, Schuld und Buße. Eigentlich durchlebe der Romanheld hier noch einmal dieselben Konflikte wie damals als Hitlerjunge. Beeindruckend findet der Rezensent, wie nah der Erzähler dem beschädigten Leben des Fritjof Breese ist und dies durch kurze, karge, häufig elliptisch verknappte umgangssprachliche Sätze transportiert. Dies macht jedoch den negativen Gesamteindruck des Romans nicht wett. Besonders missfällt Plath "das dicke Ende", Homanns passiver Begriff der Buße und das analog dazu konstruierte Verständnis der "Sünde als historischer Staffelstab", der Erlösung von Schuld nur dann zu gewähren scheint, wenn ein anderer sie übernimmt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2001

"Der Hunne vor dem Tor" heißt Ludwig Homanns neuer Roman und ist die Fortführung der Geschichte des Fridtjof Beese aus dem 1998 erschienenen Roman "Der weiße Jude". Der Leser, der bei der Neuerscheinung auf einen großen deutschen Zeitroman hofft, wird enttäuscht, schickt Heribert Seifert voraus., auch wenn hier junge Neonazis auf einen Grübler treffen, der schwer an seiner deutschen Schuld trägt, und auch Asylsuchende, deutsche Spießer und andere Gestalten auftreten, die den Eindruck von deutscher Gegenwart vermitteln. Der Roman sei aber keineswegs ein Zeitroman, findet Seifert, sondern vielmehr "eine literarische Versuchsanordnung, die erkunden will, wie ein Mensch dem ganzen Druck der deutschen Geschichte standhalten kann". Auch der Leser werde auf die Probe gestellt, denn das Buch verführe ihn dazu, Ressentiments und Affekten nachzuhängen, die ihm die Vernunft verbiete. Die Romanfiguren seien bloße Funktionstypen, und man lege das Buch mit einem unbehaglichen Gefühl aus der Hand, stellt er abschließend mit Bedauern fest.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.06.2001

"Wenn das kein Thema ist - und wenn das kein zeitgemäßer Roman ist!" Der Autor im Dienst "der verpönten Aufklärung" - das sieht er gern, der Rezensent Hans-Jürgen Schmitt. Ähnlich engagierte Schriftsteller, die "sich als Erzähler solcher brisanter Thematik das Äußerste abverlangen wie Ludwig Homann", fallen dem Rezensenten kaum ein. Nicht schlimm, wenn das Buch manchmal "zu argumentativ erklärend" wirkt, als fürchte der Autor, "dass der Leser den dargestellten Konflikt immer noch nicht begreife" - dieser Roman, beruhigt Schmitt, hat viele Facetten. Die Charakterisierung der Figuren durch ihre Sprechweise etwa (eine klare Stärke des Buches, so Schmitt). Vor allem aber das bis zum Schluss wirksame Spannungsfeld, das Homann, "etwas fiebrig nervös" zunächst, durch die Zusammenführung seiner beiden Themen (die ungesühnte Schuld, die der Autor aus einem seiner früheren Romane übernimmt, und die "Wiederkehr des Ungeistes in Form des neuen Rechtsradikalismus") konstruiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2001

Ein Roman über eine Jugendsünde. Schade nur, meint der Rezensent, dass sich der Autor so gar nicht für die Jugend seines Helden interessiert. Die Präsenz der Sünde dagegen, die in diesem Buch verbunden ist mit einem die Nazizeit heraufbeschwörenden "Erinnerungsrigorismus" scheint Christoph Bartmann geradezu penetrant gefunden zu haben. Wie die sündige Vergangenheit den Helden immer wieder einholt, dass wirkt auf Bartmann forciert und unglaubwürdig, ausgesprochen unheilsam und im Ganzen "schwer zu ertragen". Bleibt ein Lob: Mit welcher Präzision der Autor Milieus zu zeichnen und verschiedene Gesellschaftsgruppen in ihren Worten und Taten zu vermessen verstehe - das, so Bartmann, sei gut und wahr.
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