Frank Schulz

Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien

Roman
Cover: Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien
Haffmans Verlag, Zürich 2001
ISBN 9783251005154
Gebunden, 768 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Eigentlich hätte Bodo Morten, genannt Mufti, in relativ geordneten Verhältnissen leben können. Er ist achtunddreißig Jahre alt, verfügt über eine generationstypische solide Halbbildung, einen festen Freundeskreis, ist verheiratet mit Anita, mit der er eine passable Wohnung in Hamburg bewohnt, und hat einen Posten als Redaktionsleiter. Zugegeben nur bei einem Anzeigenblatt. Und leider leidet er seit Jahren gleichermaßen unter Migräne sowie einer heimlichen Geliebten. Als Mufti auch noch den Job verliert, äußert sich sein ohnehin launisches Naturell immer cholerischer...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.08.2002

Oliver Fink ist vom zweiten Teil der Hagener Trilogie des 1957 geborenen Frank Schulz vollkommen begeistert. Erst mal, weil dieser Roman dank Eichborn endlich als "Filetstück" aus der Haffmans-Konkursmasse herausgeschnitten wurde und dem Leser nun längerfristig zugänglich ist, dann, jubelt der Rezensent, weil der "virtuose Sprachartist" Schulz damit den zweiten Teil seiner Triologie veröffentlicht, den Fink ebenso gut findet wie den ersten, "Kolks Bräute", der 1991 erschienen ist. Wieder einmal erzählt der Autor eine skurrile Geschichte, die ebenfalls im "Kaff" Hagen bei Stade spielt. Protagonist Bodo Morton leidet unter "Morbus fonticuli", einer Krankheit, die ihn zum uneingeschränkten Fabulieren bringt, berichtet der Rezensent und verspricht, dass dem Leser eine "höchst private Krisengeschichte" geboten wird, "garniert" mit "literarischer Hochkomik". Der Plot selbst sei zwar eher trivial, aber die Umsetzung, Schulz' "wortverliebte und sprachkritisch intendierte Erzählweise", wahrhaft meisterlich, schwärmt der Rezensent, der sich angesichts dieses Könnens an Arno Schmidt, Eckard Henscheid und Heino Jaeger erinnert fühlt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2002

Noch besser als das Debüt des Autors gefällt Frank Schäfer dieser zweite Roman aus der "Hagener Trilogie". Vergleiche "dieses Buchstabengebirges" mit Laurence Sterne und Arno Schmidt erscheinen ihm angemessen, weil der Autor sie "beerbt und auf originäre Weise fortschreibt" in Form einer "expressionistischen Prachtentfaltung", die, so Schäfer, ihre ganze Fülle in den Dienst eines forcierten Realismus stelle. Und witzig ist das. Wie hier die Sprache das gesprochene Wort "quasi lautschriftlich" nachbildet und die "mit Leitmotiven und Choruspassagen fein versponnene Handlung" um den spintisierenden Ich-Erzähler trägt. Und liebevoll ist das. Wenn Schulz seine Helden mit Warmherzigkeit und Mitleidsfähigkeit begleitet, "wie man es sich von einem Chronisten nur wünschen kann".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.11.2001

Stephan Maus kommt aus der Begeisterung gar nicht mehr heraus: Für ihn ist "Morbus fonticuli oder Die Sehsucht des Laien" "schlicht das beste deutsche Buch des Jahres". Bodo Morten, 38-jähriger Dilettant bei einem "Hamburger Anzeigenkäseblatt" steht im Mittelpunkt des Romans, er wird immer hysterischer und hypochondrischer, entwickelt eine "abstruse Gehirntheorie" und landet schließlich in einer Nervenklinik, erzählt Maus. Da helfen ihm auch Frauengeschichten nichts, all die Adjektive, die Morten zur "spekulativen Hinternerfassung" seiner Geliebten erfindet, ziehen ihm auch gleich den Verstand aus dem Gehirn, schreibt Maus. Für den Rezensenten entwirft der Autor die "opulente, schillernde Biografie des geistig obdachlosen Morten auf verzweifelter Heimatsuche", die zudem ein "Meisterwerk der literarischen Hochkomik" sei. Maus lobt die Liebe zum Detail, die selbst aus den Nebenfiguren noch sensibel beobachtete Charaktere mache und erfreut sich an den "wohl besten Szenen aus dem Journalisten-Alltag". Der Kritiker spricht von einem "einfühlsamen Porträt", von einem sprachlich gelungenem "Sehnsuchtsjournal" und vielem dergleichen mehr. Also am besten sofort lesen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Michael Kohtes ist hingerissen von dem zweiten des auf drei Bände angelegten Romanwerks des Hamburger Autors. Nicht nur aufgrund der Seitenzahl erkennt der Rezensent in dem vorliegenden Buch das "Opus magnum" des Schriftstellers, den er als einen "Meister der Komik" preist. Er attestiert ihm zudem ein "fledermausfeines Gehör für die Alltagssprache" und lobt seine "ausgeklügelte Textkonstruktion". Kohtes hat viele Verweise und versteckte Anspielungen entdeckt, die nicht unerheblich zu seinem Amüsement beim Lesen beigetragen haben und ihm die "erstaunliche Belesenheit" des versoffenen Protagonisten vor Augen geführt haben, in dem, wie der Rezensent feststellt, "wahrhaftig ein Schriftsteller" steckt. Was ihn dabei besonders berührt, ist, dass der Roman nie "komischer" zu sein versuche "als das Leben selbst".
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