Ludwig Harig

Reise mit Yoshimi

Japanische Reportagen
Cover: Reise mit Yoshimi
zu Klampen Verlag, Lüneburg 2000
ISBN 9783933156525
Gebunden, 106 Seiten, 12,27 EUR

Klappentext

Wer sehnt sich nicht danach, dem seit Kindertagen Erlesenen, Erdachten und Erträumten leibhafig zu begegnen. Mit der Einladung eines befreundeten Bildhauers, Leo Kornbrusts, geht für Ludwig Harig ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: eine Reise nach Japan. Doch was einst in der Vorstellung pittoresk und zum Greifen nahe anmutete, entfernt sich mit jedem Schritt, den der Autor darauf zugeht. Kein heimeliges Gefühl des Dazugehörens stellt sich ein, sondern das der Fremdheit, fern jeder multikulturellen Idylle.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.06.2001

Angelika Overaths Rezension zu Ludwig Harigs "Reise mit Yoshimi" liest sich wie eine Warnung, nicht in die Erwartungsfalle zu tappen, die schon im Titel des Buches gelegt sei. Harig zeige sich zwar aufgeschlossen für alles, was er auf seiner Japanreise erlebt, recherchieren tue er jedoch nicht. Ein Flaneur, der auf seiner "Tour d'Horizon" eher auf ausgetretenen Pfaden wandelt, sei er, aber kein Reporter, befindet sie mit kaum überhörbar spöttischem Unterton. Wenn der Leser dabei nichts über das heutige Japan erfahre, sei dies jedoch nicht so schlimm, denn dafür erhalte er Informationen über "die Sehnsucht eines deutschen Dichters, dessen japanische Knabenträume nicht reiften". Wer keinen Bericht über das moderne Japan erwartet, kann sich an Harigs poetischen Bildern erfreuen, zu denen ihn diese Reise zweifellos angeregt hat, kann man als Fazit aus Overaths Besprechung mitnehmen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2001

Irmela Hijiya-Kirschnereit übt sich, so hat es den Anschein, in großer Zurückhaltung bei der Kritik dieses japanischen Reiseberichtes, doch so ganz kann sie ihren Unmut nicht verbergen. Sie stellt fest, dass Harig mit seinem Vorsatz, sich dem Land mit Skepsis gegenüber seinen eigenen Japanbildern zu nähern, sich bis zur "Selbstverleugnung" dem Fremden hingibt und dabei seinen "gesunden Menschenverstand an den Haken hängt". Letztlich schildere der Autor dann doch nur das Exotische, indem er beispielsweise Landesspeisen erwähne, die selbst für Japaner höchst "abenteuerlich" klängen. Was die Rezensentin richtiggehend ärgert, sind die gehäuft auftretenden falschen Umschriften japanischer Wörter, sowie sachlich falsche Angaben, denn, so meint sie, auch von einem literarischen Reisebuch sollte man korrekte Aussagen erwarten können, auch wenn man das Buch ohnehin nicht wegen geographischer oder kultureller Informationen zur Hand nehmen würde. Die Erfahrung der Fremdheit, die der Autor in seinem Buch betont, "löst sich bekanntlich" bei wachsender Vertrautheit mit den Landessitten auf, merkt die Rezensentin noch an, doch so weit scheint Harig auf seiner Reise nicht gekommen zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.02.2001

In einer Sammelrezension bespricht Ludger Lütkehaus fünf Bücher, die alle einen Bezug zu Japan haben.
1) Ludwig Harig: "Reise mit Yoshimi" (Zu Klampen Verlag)
Lütkehaus merkt an, dass die Bezeichnung `Reportagen` im Untertitel möglicherweise etwas irreführend sein könnte. Denn seiner Ansicht nach handelt es sich hier vielmehr um "subtile poetische Annäherungsversuche", bei denen sich der Autor an Max Dauthendey anlehnt. Dieser hat, wie Lütkehaus erläutert, in Japan `acht Gesichter` gesehen, wie etwa `Landschaft-, Wetter-, Seelen-, Tages- und Jahreszeitengesichter`. Dass Harig nicht "umstandslos in Dauthendeys Spuren" geht, sondern sich vielmehr einfach inspirieren lässt, scheint dem Rezensenten recht gut zu gefallen.
2) Irmela Hijiya-Kirschnereit: "Japanische Gegenwartsliteratur" (edition text und Kritik)
Lütkehaus stellt die Autorin zunächst als eine der "besten Kennerinnen Japans" vor und weist darauf hin, dass die Hijiya-Kirschnereit hier insbesondere ausführliche und aktuelle Informationen zum ersten japanischen Nobelpreisträger Kawabata bietet. Dabei habe die Autorin eigene Artikel aus dem `Kritischen Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur überarbeitet und einige weitere hinzugefügt.
3) Irmela Hijiya-Kirschnereit: "Japan" (Suhrkamp Verlag)
Zu diesem Buch merkt der Rezensent nur kurz an, dass die Autorin in ihrem Essayband auf "die nötige Distanz zu den Wahrnehmungsklischees", mit denen Japan hierzulande üblicherweise betrachtet wird, setzt.
4) Uwe Schmitt: "Mondtränen, Bürohelden und Küchengerüchte (Picus Verlag)
Lütkehaus preist dieses Buch begeistert als lohnende Lektüre an, und das nicht nur wegen des "glänzenden Schreibstils" des Autors. Besonders gefällt dem Rezensenten, wie Schmitt "Unterhaltsames mit überraschender Information" verbindet. Als Beispiel dafür nennt Lütkehaus das Kapitel über Harakiri, in dem der Autor mit im Westen verbreiteten Legenden vom "geradezu lyrischen Selbstmord" aufräumt und darüber hinaus deutlich macht, dass die Japaner keineswegs anfälliger für Selbstmord sind als andere Völker. Gut gefallen dem Rezensenten auch die Passagen des Buchs, in denen Schmitt über die unterschiedliche Einstellung zum Tod und insbesondere zum Selbstmord zwischen japanischer und christlicher Tradition eingeht.
5.) Florian Coulmas: "Japanische Zeiten" (Kindler Verlag)
Nach Lütkehaus geht es in diesem "Pionierwerk" besonders um Zeit und Zeitempfinden in Japan - etwa um den Konflikt zwischen gregorianischem Kalender und der Tradition, Zeit an den Herrschaftszeiten der Kaiser zu messen. Oder auch um den scheinbaren Widerspruch von hektischer Arbeitswelt und Naturnähe bzw. Meditation. Und nicht zuletzt gehe es um die Uhrenfirma Seiko, die die Uhren immer auf zehn nach zehn stellte, damit die Uhren aussehen wie lächelnde Gesichter. Lütkehaus fällt dabei auf, dass auch das Buch selbst "die zyklische Struktur, die es beschreibt" zeigt, was ihm offenbar sehr gut gefällt. Darüber hinaus lobt er den leichten Schreibstil des Autors, mit dem es Coulmas seiner Ansicht nach gelingt, viel Information in gut lesbarem Stil zu vermitteln.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.01.2001

Reichlich misslungen findet Rezensentin Sabine Peters die Reportagen, die Ludwig Harig von einer Japan-Reise mitgebracht hat. Für sie sind diese Geschichten Beispiele dafür, wie "gespreizt" es klingen und wie klischeehaft es wirken kann, wenn man zuviel kulturellem Ballast mit sich herumträgt: "Was Ludwig Harig auch versucht, es geht nach hinten los". Da wird Geschichte durchgekaut, auf einer persönlichen Ebene kommen Harig und sein japanischer Gesprächspartner jedoch nie an: Immer "reden `der Deutsche` und `der Japaner`". "Beinahe ein Mitgefühl" entwickelt Peters für Harig, weil der sich so in Projektionen verheddert und betont, dass sie dem Buch zu Anfang durchaus "neugierig und gutwillig" gegenüber stand.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2001

Jörg Drews ist äußerst angetan von diesen Reportagen einer Reise durch Japan. Das tiefe Unverständnis, mit dem der Europäer auf Sitten und Gebräuche Japans reagiere und das ihn ständig ins Fettnäpfchen treten lasse, sieht der Rezensent durch den Autor "mit gesetzten Worten, umsichtig und bedächtig" genauso dargestellt, wie die Resignation des Reisenden "angesichts der beunruhigenden Unverständlichkeit" des Landes. Drews stellt anerkennend fest, dass dabei nicht selten "erhebliche Komik" entsteht.
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