Lothar Machtan

Hitlers Geheimnis

Das Doppelleben eines Diktators
Cover: Hitlers Geheimnis
Alexander Fest Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783828601451
Gebunden, 462 Seiten, 22,91 EUR

Klappentext

Dieses Buch zeigt, dass Hitler homosexuell war und dass es für das Verstehen seiner Person wie seiner Karriere unerlässlich ist, darüber im Bilde zu sein. Hitler konnte seine Homosexualität nicht leben, sie aber auch nicht völlig verdrängen. So sehen wir einen Schauspieler, der das Stigma seines Trieblebens zugleich zu kaschieren und für sich zu nutzen versuchte; einen Angreifbaren, der sich zeitlebens mit Erpressern herumzuschlagen hatte. Hitlers gleichgeschlechtliche Veranlagung lässt sich belegen - aber nicht darin liegt das Enscheidende: Viel wichtiger ist es, die Tatsache seiner Homosexualität als historische zu begreifen und zu sehen, was dies im Kontext der Zeit bedeutete, welche Folge es hatte und welche Erkenntnischancen es bringt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.11.2001

Auch wenn die geheimniskrämerische Werbekampagne dem Buch in den Augen Gerd Koenens keinen Gefallen getan hat, da die Rezensenten eher abweisend reagierten, bietet das Buch für Koenen eine höchst aufschlussreiche Lektüre. Weniger in Bezug auf den selbst erteilten Auftrag des Autors, einen "historischen Indizienbeweis" für die Homosexualität Hitlers anzutreten, als vielmehr in der intensiven Quellenauswertung und dichten Beschreibung des höheren NS-Milieus, in dem Homoerotik weit verbreiteter war, als sich heutige Betrachter das überhaupt vorstellen können, schreibt Koenen. Nicht, mit wem Hitler im einzelnen sexuelle Beziehungen unterhielt, ist für ihn von Interesse, sondern das "soziale Profil" und die "schwüle Beziehungsstruktur" im NS-Machtkorps. Von puritanischer Verklemmung und militärischer Disziplin könne da kaum die Rede sein, schreibt der Rezensent. Geschrieben sei das Buch keineswegs sensationsheischend, sondern eher zurückhaltend - und nie langweilig. Der Autor habe gespürt, dass mit dem Bild Hitlers, der durch alle Schulen hinweg als Pseudopersönlichkeit gezeichnet werde, in der maßgeblichen Historik des Dritten Reiches etwas nicht stimme.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2001

So geht's natürlich. Franziska Augstein gratuliert Verlag und Autor zu ihrer Fähigkeit, aus "einer Nullnachricht einen Knüller" zu machen. Knüller deshalb, weil das Buch es bereits auf die erste Seite der Bild geschafft hat, Nullnachricht, weil der Autor über Hitlers latente Homosexualität nichts Neues zu sagen hat und auch keine Belege beibringt. "Stattdessen schreibt der Autor sich eine Reihe zweifelhafter Quellen zurecht" und übt die Argumentationsfigur des probatio circularis, um sich "seinen" Hitler zu einem Menschen mit normalem Gefühlshaushalt zurechtzubiegen. Am Ende hat Augstein noch einen Thesen-Tipp für das hier bediente Genre der "esoterischen Geschichtsforschung": In Wirklichkeit war Hitler eine Frau.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.10.2001

"Viel Lärm um nichts" hat die sehr ausführliche und detailreiche Besprechung des sehr kundigen Rezensenten Hans Mommsen zur Überschrift und sie bringt deutlich die Meinung von Mommsen zum Ausdruck. Das Buch des Historikers Lothar Machtan über Hitlers angebliche Homosexualität bringt, so Mommsen, auf der rein spekulativen Ebene nichts Neues. Über des Führers homoerotische Neigungen wurde schließlich schon vor 1933 kräftig gemunkelt. Auf der Ebene der Fakten widerspricht Mommsen dem Autor vielfältig. Einige der zitierten Dokumente seien eindeutig fragwürdig, und die in der Verlagswerbung großspurig angekündigte neue Sicht auf das Dritte Reich sieht der Rezensent überhaupt nicht gegeben. Machtan hält er zugute, dass der deutlich bescheidener auftritt und von Interpretationsansätzen spricht. Machtans These, die Röhm-Ermordung als Hitlers Rache an Röhm wegen dessen Erpressung mit seinem Wissen um Hitlers Homosexualität zu deuten, ignoriert souverän, so Mommsen, die Ergebnisse der neuen historischen Forschung. Spekulationen über Hitlers Homosexualität zum Dreh- und Angelpunkt einer Deutung der gesamten NS-Politik zu machen, läuft für Mommsen schlicht ins Leere.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2001

Im Ton durchgehender Süffisanz, mit ridikülisierenden Zwischenfragen ("Schlief er sich etwa nach oben?"), aber ohne sich mit Argumenten oder Ansätzen zu ernsthafter Auseinandersetzung die Finger schmutzig zu machen, präsentiert Rainer Blasius Lothar Machtans Thesen zu Hitlers Homosexualität. Nach und nach und in einiger Breite werden die (dünnen) Belege mokant referierend ausgebreitet, von der angeblichen frühen Affäre Hitlers mit Ernst Schmidt bis zur neuen Begründung für den Mord an Röhm: "Angst vor Sexualdenunziation". Hitlers Frauen werden von Machtan, wenig überraschend, zu Alibis erklärt. Blasius' Kommentar: "Arme Eva". Auch Machtans weitergehende Überlegungen zur vermeintlichen deutschen Nachkriegsverdrängung von Hitlers ebenso vermeintlicher Homosexualität tut der Rezensent achselzuckend ab: Damit sei dann nicht nur das Geheimnis des Führers, sondern auch "das der Deutschen" gelüftet. Fragt sich nur, warum man ein Buch, das so wenig einer ernsthaften Würdigung wert scheint, so ausführlich bespricht.
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