Aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt und Christina Links. Persönliche Aufzeichnungen und politische Essays von Ljudmila Ulitzkaja, der "wohl bekanntesten und streitbarsten russischen Schriftstellerin dieser Tage". Sabine Berking, F.A.Z.Private Aufzeichnungen, biografische Erinnerungen, politische Reflexionen: Ljudmila Ulitzkaja setzt ihre autobiografische Prosa nach "Die Kehrseite des Himmels" in die Gegenwart fort. Persönliche Notizen über ihre Familie, über Herkunft und Glauben, über den eigenen Körper und seine Narben stehen neben den drängenden Fragen zur politischen und ökologischen Situation. Im Frühjahr 2022, kurz nach Putins Überfall auf die Ukraine, zog Ulitzkaja aus Moskau nach Berlin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2023
Rezensentin Kerstin Holm erzählt die Geschichte der russischen Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja und wirft Schlaglichter auf einzelne Werke der Autorin, auf ihre Realgeschichte und Fiktion verbindende Erzählkunst, den ironischen Blick auf menschliche Beziehungen im Autoritarismus sowie auf Lebensthemen der in Berlin im Exil lebenden Autorin. Ulitzkajas neuen Essayband empfiehlt Holm wegen eines Textes über die verbotene Menschenrechtsgesellschaft "Memorial", aber auch wegen einiger Texte, die der Leserin das Kostbare zwischenmenschlicher Beziehungen bewusst machen, sogar jenes unerwiderter Lieben.
Mit Gewinn liest Rezensent Jens Uthoff Ljudmila Ulitzkajas Essay- und Erzählband. Er versammelt autobiografisch geprägte Texte zur politischen Situation Russlands, die allerdings überwiegend vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine entstanden, wie Uthoff erklärt. Neben der schon lang anhaltenden Verachtung der 79-jährigen Kreml-Gegnerin für die Politik Russlands erfährt der Kritiker viel Persönliches über die Schriftstellerin aus den Texten: Über ihr Leben in der künstlerischen Bohème in Sowjetrussland, über verlorene Familienmitglieder, über ihre Sexualität und ihre Tätigkeit als Biologin - immer wieder durchsetzt mit politischen Überlegungen zu Freiheit oder Totalitarismus. All das findet Uthoff spannend zu lesen. Was ihn jedoch etwas "irritiert", ist Ulitzkajas starke Fokussierung auf Russland, die das Schicksal der Ukrainer nahezu komplett ausspart. Von einer gewissen "Kälte" in der sogenannten russischen Seele spricht die Autorin an anderer Stelle, sinniert Uthoff. Trotz dieser merkwürdigen "Leerstelle" für ihn ein "lesenswerter" Band.
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