Kira Jarmysch

Dafuq

Roman
Cover: Dafuq
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783737101400
Gebunden, 416 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Olaf Kühl. Zehn Tage Auszeit könnten Anja Romanowa gerade recht sein, um ein paar Dinge in ihrem achtundzwanzigjährigen Leben mit sich zu klären. Etwa ein verwirrendes Dreiecksverhältnis oder ihren missglückten Berufsstart im russischen Außenministerium mit seinen trinkfesten Zynikern. Nur verbringt Anja diese Zeit unfreiwillig mit fünf anderen jungen Frauen: Da ist Maja, die in "Brust- und Po-Tuning" investiert, um reichen Männern zu gefallen, Natascha, die das echte Straflager kennt, oder Irka, die die Alimente für ihre Tochter nicht gezahlt hat. Sie sind zusammen im Moskauer Gefängnis, wegen Ordnungswidrigkeiten. Anja selbst verbüßt eine zehntägige Strafe, weil sie zu einer Demonstration gegen Regierungskorruption aufgerufen hat. Sechs Leben prallen aufeinander, explosiv und oft sehr komisch, in denen sich das heutige Russland spiegelt: Armut und Reichtum, Freiheitsgeist und Putin-Gläubigkeit, traditionelle Rollen und fluide Identitäten - die eine träumt von Buchweizen, die andere vermisst Bali.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.10.2021

Rezensentin Katharina Granzin findet, dass der Roman "Dafuq" und seine Autorin Kira Jarmysch viel Aufmerksamkeit verdient haben. Die 32-jährige ehemalige Pressesprecherin Alexei Nawalnys, die mittlerweile im Exil lebt, schreibt in diesem Erstling aus der Perspektive der politischen Anja, die nach dem Repost eines Aufruf zu einer Anti-Korruptions-Demonstration für zehn Tage mit fünf grundsätzlich unterschiedlichen Frauen in eine Arrestzelle gesteckt wird, erklärt Granzin. Trotz des eintönigen Alltags der Insassinnen ist der Roman der Rezensentin zufolge schnell gelesen, was sicher auch an den farbenfrohen Charakteren liegt, deren Lebensgeschichten lange bekannt sind, bevor man einen Einblick in das Leben der Romanheldin erhält. Dafuq ist ein unbeabsichtigt politischer Roman und ein "klarsichtiges", amüsantes Gesellschaftsstück, schließt Granzin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.09.2021

Rezensentin Melanie Weidemüller lernt mit Kira Jarmyschs Roman zwar allerhand über russische Verhältnisse, genauer über die Vielschichtigkeit des Dissidentenmilieus, verkopft ist der Text aber keinesfalls, findet sie. Im Gegenteil berichtet die Autorin, seit 2014 als Nawalnys Sprecherin tätig, laut Weidemüller aus dem prallen Leben und greift auf eigene Erfahrungen zurück, wenn sie ihre Protagonistin von einer nicht angemeldeten Demo direkt in die Arrestzelle wandern lässt. Was die Hauptfigur da erlebt (enge Zellen, willkürliche Aufseher), wen sie dort antrifft ("einen wilden Haufen" unterschiedlichster Charaktere), was ihr durch den Kopf geht (die eigene Sozialisation und Politisierung) beschreibt die Autorin ohne Romantik, dafür mit Humor, meint die Rezensentin. Der Einstieg ist etwas mühsam, findet sie, aber dann "rollt" der Text.