Linus Reichlin

In einem anderen Leben

Roman
Cover: In einem anderen Leben
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2015
ISBN 9783869711041
Gebunden, 384 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Als er noch ein Kind war, kamen ihm seine Eltern oft wie Richard Burton und Liz Taylor vor. Sie waren das schillernde Paar in einer spießigen Umgebung, der Ehekrieg tobte, bis ein tragischer Unfall ihm ein Ende setzte. Und mittendrin: er, Luis. Zwanzig Jahre später, Luis lebt schon lange in einem anderen Land und einem anderen Leben, lässt ein Zufall die Erinnerung an seine Jugendjahre wieder aufleben: In einer Berliner Galerie sieht er das von ihm gefälschte Gemälde, das auf fatale Weise mit dem Tod seiner Mutter verknüpft war. Die unerwartete Wiederbegegnung wirkt wie ein Wink des Schicksals, sich endlich der Vergangenheit zu stellen, die ihn, seine Beziehungen und vor allem ihr Scheitern, stärker bestimmt, als er sich eingestehen will. Und so beginnt für Luis eine Erinnerungsreise zu seinen Anfängen, zu seinen drei wichtigen Beziehungen und seinen Versuchen, den richtigen Rhythmus für sich in der Welt zu finden. Eine Reise, an deren Ende er - vielleicht - den richtigen Takt finden wird …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.04.2015

Rezensentin Bettina Cosack hofft auf einen feinen neuen Roman von Linus Reichlin, nun, da alles gebeichtet und analysiert ist, schreibt sie. Was der Autor im vorliegenden Buch unternimmt, haut die Rezensentin indessen nicht vom Hocker. Zu durchschaubar scheint ihr der Held der Geschichte, der vergeblich versucht, den Blessuren seiner Kindheit zu entkommen, einer Kindheit zwischen daueralkoholisierten Eltern, und der einfach viel zu viel redet, wie Cosack meint. Richtig erleichtert ist die Rezensentin, wenn der Erzähler einmal kluge Sätze produziert und keinen Kitsch oder Küchenpsychologisches. Und wenn Reichlin mit der Nebengeschichte um ein verschwundenes Ölbild einen Hauch von Krimi und Rästel in seinen Text einbaut, möchte sie jubeln, weil endlich mal was Spannendes geschieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2015

Christoph Schröder ist gespaltener Meinung über Linus Reichlins "In einem anderen Leben". Das Buch, das von einer traumatischen Kindheit und deren Verarbeitungsprozess handle, habe zwar rein erzählerisch gute Momente, wirke aber insgesamt zu einfach strukturiert. Alles beginnt mit dem alkoholkranken, zerstörerischen Vater, aus dem sich dann die "soziale Dysfunktionalität" ableiten lässt, die Luis in der folgenden Beschreibung seiner Frauengeschichten offenbart, erklärt Schröder. An einigen Stellen, so der Rezensent, habe man das Gefühl, "Zeuge eines langen, selbsttherapeutischen Monologs" zu sein, während man der Geschichte des Protagonisten Luis über vierzig Jahre lang folge.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015

Ganz schön viel Handlungsnacherzählung in Katharina Teutschs Rezension von Linus Reichlins neuem Roman. Dass der Autor plotten kann und dazu noch kriminalistisch, versichert uns Teutsch und schiebt gleich hinterher, dass Reichlin allerdings auch nicht versäumt, in die Köpfe seiner Figuren zu schauen. Was er da sieht, ist laut Rezensentin zum Glück nicht alleiniges Erzählprinzip des Buches. Das Reenactment einer missratenen Vater-Sohn-Beziehung, dazu verschiedene Erlebnisebenen, Vaterschaft, Kindheitswunden, Beziehungsdramen - all das hält die Rezensentin glücklich auf Trab.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.02.2015

Martin Ebel vermisst den Schalk in diesem Buch. Die von Linus Reichlin erzählte Geschichte eines Mannes, der gegen die Gespenster der Vergangenheit ankämpft, namentlich seinen Vater, angelegt vom Autor als episches Psycho- und Familiendrama, überzeugt Ebel zwar von der Konstruktion her, und auch die Sorgen des Helden findet er nachvollziehbar, dennoch hat er das Gefühl, der Autor traue seinen eigenen Mitteln nicht. Kursivsetzungen, Vulgärspsychologie und manch unplausible Stelle im Text gehen Ebel an die Nerven und schließlich sogar der allzu gegenwärtige Icherzähler selber.
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