Der Zwiespalt in Leben und Werk des österreichischen Schriftstellers Adalbert Stifter beschäftigte Zeitgenossen, Kritiker und Germanisten bis heute gleichermaßen. Für die einen ein langweiliger Biedermeier-Autor, ist er für die anderen ein großartiger Erzähler, hinter dessen stillen und genauen Naturbetrachtungen eine Neigung zum Katastrophalen und Exzessiven wirksam ist. Jenseits der vorhandenen Fronten, die sich zwischen Verehrung und Wiederentdeckung Stifters im Zeichen des sanften Gesetzes beziehungsweise einer Ablehnung als Dichter der Restauration bewegen, entwirft Leopold Federmair einen völlig neuen Zugang zum Werk des Autors. In einem Essay, der Raum lässt für autobiographische Parallelen, Lektüreerfahrungen und neue Werkinterpretationen entgegen bisheriger Ansätze, versucht Federmair ein Gesamtbild Stifters für die heutige Zeit zu entwerfen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.02.2006
Drei Bücher bleiben, resümiert Karl-Markus Gauß das zu Ende gegangene Adalbert-Stifter-Jahr, auch wenn er sie unterschiedlich beurteilt. Leopold Federmairs Essay hat ihn als vielschichtiges Buch überzeugt, den Autor empfiehlt er als "immer noch unterschätzten Außenseiter der österreichischen Literatur". In seiner Annäherung an Stifter geht Federmair von persönlichen Erfahrungen aus, die er mit Stifter teilt: die erzkatholische westösterreichische Heimat, den Besuch des Internats Kremsmünster, die Erfahrung der Bigotterie. Dabei beschränkt er sich nicht darauf, diese lang und breit zu schmähen, sondern betrachtet sie als unaufgelöste Spannung, die künstlerisch fruchtbar werden kann. Denn Bigotterie besteht in Federmairs Sicht, wie Gauß erklärt, vor allem darin, dass die religiöse oder ideologische Strenge umso stärker wird, je geringer das Vertrauen an die persönliche Glaubenskraft ausfällt.
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