Leben. Töten. Essen

Anthropologische Dimensionen
Cover: Leben. Töten. Essen
Hirzel Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783777610337
Kartoniert, 421 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Heike Baranzke, Franz Theo Gottwald und Hans W. Ingensiep.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000

Andreas Brenner bespricht zwei Bücher, die sich mit Fleisch - ausschließlich tierischem - und Macht bzw. Fleisch und Geist befassen.
1) Nan Mellinger: "Fleisch. Ursprung und Wandel einer Lust"
Wer jagt, isst Fleisch, wird stark, jagt mehr, isst mehr Fleisch, wird stärker und beherrscht am Ende die Welt und die Frau dazu. Diese nämlich jagt nicht (mehr), muss sehen, was an Fleisch übrig bleibt, bekommt dies auch noch als schädlich verleidet und kann das Fleisch-Macht-Defizit auch in Zeiten frei verfügbaren Fleisches nicht ausgleichen. So hat Andreas Brenner Nan Mellingers "Kulturgeschichte des menschlichen Umgangs mit dem essbaren Tier" auf den Punkt gebracht. Ansonsten beschreibt er besagte Kulturgeschichte chronologisch von der frühgeschichtlichen Jagdgemeinschaft (erst mit, später ohne Frauen) über die Erfindung moderner Waffen, Konservierungsmittel zum Zwecke des Durchhaltens in Zeiten des Krieges bis zur industriellen Fleischproduktion und -verarbeitung. Ergebnis s.o.
2) Baranzke/Gottwald/Ingensiep (Hrsg.): "Leben, Töten, Essen"
Bestätigt findet sich Brenner im zweiten rezensierten Werk, aus dem er Eduard von Hartmann (1896) ausführlich zur Grundaussage zitiert, dass es ohne Fleisch eben keine Leistung geben könne. Was sich sonst in dem Reader Leben, Töten, Essen lesen lässt, verschweigt er uns, mit einer Ausnahme: "Die klügste Philosophie taugt nichts, wenn sie sich nicht auch in der Küche bewährt", zitiert er zum Schluß Klaus-Michael Meyer-Abich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2000

Dies ist, wenn man der kurzen Rezension in der NZZ glauben will, ein Reader für alle, die den Verzehr von Tieren auch geistig verdauen wollen. Die Sammlung mit philosophischen Texten "rund um das Fangen, Töten und Essen von `tierischer Materie`" ist untergliedert in drei Teilen. Die Einführung, u.a. von L. Feuerbach, widme sich dem menschlichen Stoffwechsel. Im zweiten Teil geht man wohl zur Sache: Das Schlachten als solches wird unter die Lupe genommen (Universallexikon Zedler, 1742) und gar das "Mitleid des Metzgers vor der Tötung" wird entdeckt. Der Rezensent mit dem Kürzel "upj" ermutigt zum weiteren Lesen: Immerhin habe Nietzsche in einem Brief beruhigend postuliert: "Geist braucht Fleisch".

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Eva Menasse. Alleinruhelage - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Eva Menasse: Alleinruhelage
Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Dörte Hansen. Broder - Roman. Penguin Verlag, München, 2026.Dörte Hansen: Broder
"Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben…