Der Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken führt durch die großen Themen der Oper und erschließt sie konsequent aus Mozarts Epoche heraus. Daraus gewinnt er ein radikal neues Verständnis der "Zauberflöte" und ihrer überwältigenden Musik. Denn die Welt der "Zauberflöte" ist nicht einfach eine Phantasiewelt. Vielmehr spiegelt sich in ihr das Zeitalter der Aufklärung mit seinen drängenden Themen, von der guten Herrschaft über den Selbstmord bis hin zur entfesselten und gezähmten Natur. Mozart wurde in Wien mit einer bedingungslosen Form der Aufklärung intensiv vertraut - und nahm in seiner letzten Oper Abschied von ihr. Denn die Zauberflöte lebt, von der bestürzenden Einsicht, dass die Vielgestaltigkeit der Welt sich nicht mehr von der einen Vernunft ordnen lässt. Nur die Musik kann diese Vielfalt überhaupt noch erfahrbar machen. So ist die "Zauberflöte", eine der meistgespielten Opern überhaupt, bei aller Komik und Überdrehtheit, bei aller Rede von Tugend und Gerechtigkeit, durchweht von einer Melancholie, die das Scheitern einer Epoche anzeigt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.07.2024
Ist Mozarts "Zauberflöte" ein vom Geist der Aufklärung geprägtes Werk? Rezensent Helmut Mauró ist sich nach der Lektüre des Buches von Laurenz Lütteken da nicht so sicher. Lütteken fügt darin, lernen wir, den zahlreichen Deutungen der Zauberflöte keine weitere hinzu, sondern beschäftigt sich mit Mozarts intellektuellem Umfeld und argumentiert, dass der Musiker weniger ein Werk der Aufklärung erschaffen hat, als eines, das die Aufklärung in einer Zeit reflektiert, in der sie in eine Krise geraten ist. Im Weiteren geht Mauró wenig auf Lüttekens Buch ein und unternimmt stattdessen einen Streifzug durch die weitere Zauberflöte-Rezeption von Goethe bis Jan Assmann. Insgesamt zeigt sich laut Mauró, dass die Zauberflöte ein in sich widersprüchliches Werk ist, in dem moralisch ambivalente Figuren auftreten und das vielleicht gerade darin eine Antwort auf Zeitprobleme liegt. Der Mensch ist nur noch Beobachter, einer Fülle von Eindrücken ausgesetzt, die sich ihm in ihrem Chaos und ihren Widersprüchen nicht mehr erschließen - das ist die Antwort der "Zauberflöte", in der sich auch Mozarts Melancholie ausdrückt, meint meint Mauró, hier wieder Lüttekens Argumentation aufgreifend.
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