Lars Saabye Christensen

Waterloo

Roman
Cover: Waterloo
btb, München 2005
ISBN 9783442732852
Kartoniert, 349 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Christel Hildebrandt. Oslo 1974: Kim, die Hauptperson aus Christensens Roman "Yesterday" kehrt mit dem Schiff zurück in seine Heimatstadt. Während er durch die Straßen geht, stolpert er über seine alten Freunde: Seb, der als Undergroundpoet seine Gedichte auf der Straße verkauft, Gunnar, der als überzeugter Kommunist in einer Druckerei arbeitet, und Ola, der als wandelnder Kühlschrank Reklame läuft. Doch der Schwung der 60er Jahre ist dahin, statt mitreißender Beatles-Songs dudelt Abbas Grand-Prix-Siegertitel "Waterloo" aus den Radios. Das Leben, die Stadt, selbst die Freunde sind Kim fremd geworden. Er ist auf der Suche nach seinen Wurzeln - und fährt schließlich mit dem Postschiff die norwegische Küste entlang, nur um sie irgendwo zu finden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2005

Sein Roman "Der Halbbruder" katapultierte den norwegischen Autor vor zwei Jahren in die internationale Literaturwelt, macht Aldo Keel auf eine mögliche Bildungslücke aufmerksam, die der Leser nun mit Christensens frisch übersetzten Roman "Waterloo" aus dem Jahr 1990 füllen kann. Der Roman, der inhaltlich an Christensens "Yesterday" anschließt, spielt in den 70er Jahren, zunächst in Italien, wohin der jugendliche Protagonist entflieht, um sodann nach Oslo zurückzukehren, wo er auf der Suche nach sich selbst durch eine Art Fegefeuer geht, das mit popkulturellen Referenzen abgesichert ist und den Roman, versichert Keel, zum Buch einer ganzen Generation macht. Einblick in sein Innenleben gewähre der Ich-Erzähler nicht, was ihm ironische Distanz verleihe, analysiert der Rezensent weiter. Zentrale Schauplätze des Romans seien Krankenhäuser, da die halbe Familie des Erzählers hospitalisiert sei. Etwas wehmütig wird der Rezensent angesichts der Tatsache, dass es das von Christensen im Roman geschilderte gutbürgerliche Oslo West so gar nicht mehr gibt: damals waren die Norweger noch weitestgehend unter sich, stellt Keel fest, heute streite man sich über Schmähschriften und die entstandene muslimische Subkultur.
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