Klappentext

Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Dieser Mann ist ein Gewinner. Deshalb vertreibt er sich, gerade achtzig geworden, die Zeit mit Preisausschreiben. Vor allem aber lebt er in seinen Erinnerungen. Schon in der Schule war seine Liebe zu den Frauen größer als die zur Mathematik. Er arbeitete in einer Reifenwerkstatt und als Fensterputzer, bis er eines Morgens die Papiere eines tödlich verunglückten Motorradfahrers fand. Da verwandelte sich der junge Kent Andersson aus Schweden in Dr. Kurth Wasser, den DDR-Flüchtling und approbierten Arzt. Der ist als Schlafforscher ebenso begabt wie als Womanizer. Irgendwo zwischen Hochstapler und Glückspilz erfindet er sich immer wieder neu - und steht uns dabei vielleicht näher als wir denken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.06.2016

"Ein spätes Meisterwerk" nennt Rezensentin Judith von Sternburg den neusten und letzten Roman des kürzlich verstorbenen Lars Gustafsson. Wie immer in Gustafssons Büchern, entfalte auch die Geschichte des Hochstaplers Doktor Wasser ihre Faszinationskraft durch das Spiel mit Wahrheit und Schwindelei. Für den hochbegabten jungen Romanhelden scheint nichts trauriger als ein "gewöhnliches Leben", weswegen er kurzerhand, als sich ihm die Möglichkeit bietet, zum Schlafforscher Kurth Wasser wird. In dieser sprachlich schwerelosen Erzählung hat der Autor merklich Spaß daran, seine Leser irre zu führen mit offenen Enden, Sackgassen und fehlenden Erklärungen, was die Rezensentin sich jedoch gerne gefallen lässt. Dabei schwängen, ohne zu beschweren, trotz aller Heiterkeit immer auch die großen Themen Gustafssons wie die "Beliebig- und Sinnlosigkeit" der menschlichen Existenz mit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.04.2016

Lars Gustafsson reiht sich mit seinem letzten Roman "Doktor Wassers Rezept" in die Reihe jener Schriftsteller ein, die mit geballter "Altherrenerotik" ihrer Fantasie freien Lauf zulassen, stellt Rezensent Andreas Breitenstein fest. Zugegebenermaßen gehört Gustafsson zu jenen, die es können, gesteht der Kritiker, der hier zwar nicht den "pornografischen Erkenntnisfuror" eines Peter Nadas, dafür aber Humor, "Esprit" und Ironie entdeckt. So gerät die Erzählung um den DDR-Flüchtling und Hochstapler Kent Andersson, der dank eines zufällig beobachteten Motorradunfalls die Identität des Schlafforschers Kurth Wasser annimmt, zum brillanten, hintersinnigen Spiel mit der eigenen Biografie zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Bildstark, witzig, mystisch und klug, lobt der Kritiker, der den "intellektuellen Freibeuter" vermissen wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.04.2016

Rezensent Christoph Bartmann würdigt Lars Gustafssons letzten zu Lebzeiten erschienenen Roman "Doktor Wassers Rezept", allerdings vornehmlich mit einer Nacherzählung. Immerhin verrät der Kritiker, dass er das Buch "klug" findet: So folgt er offenbar beeindruckt der Lebensgeschichte des als Kent Andersson geborenen Hochstaplers und Betrügers Kurth Wasser, der es als Schlafforscher in Schweden zu Ruhm und Anerkennung bringt, im Alter von achtzig Jahren auf sein Leben zurückblickt und über Lügen, Verführungskunst und Lebenssinn nachdenkt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.04.2016

Jochen Schimmang hätte sich gerne noch öfters hinters Licht führen lassen von Lars Gustafsson, der am Sonntag fast 80-jährig verstarb. So schön unzeitgemäß wie der Autor erzählt heute kaum noch jemand, beziehungsweise lassen die themenversessenen Verlage es nicht zu, meint Schimmang. Auch Gustafssons neuer und nun leider letzter Roman besticht laut Schimmang durch bezaubernde, weise Sätze, durch Vielschichtigkeit, aber keinesfalls durch einen Anspruch auf Totalität oder ein klar zu fassendes Thema. Hinreißend scheint ihm, wie der Autor hier einen Hochstaplerroman aus dem Ärmel zaubert, substanzieller als Thomas Manns Krull, dabei unaufdringlich und spielerisch weise.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 26.03.2016

Lars Gustafsson hat auch in seinem Alterswerk "Doktor Wassers Rezept" nichts von seinem souveränen Spiel mit verschiedenen Erzählmitteln eingebüßt, verspricht Rezensent Claus-Ulrich Bielefeld. Wie seine vorangegangenen Romane, Essays, Gedichte und Erzählungen besticht auch dieses Buch wieder durch Gustafssons an einen Pianisten erinnernde Erzählmethode, der eine Melodie so lange variiert bis sie ihre ganze Sogkraft entfaltet, befindet der Kritiker, der sich einmal mehr von dem herrlich leichten "philosophischen Spiel" mit Identitäten in den Bann ziehen lässt. Derart vergnügt und angetan liest der Rezensent hier die Geschichte des jungen, in einfachen Verhältnissen aufgewachsenen Bo, der durch Zufall die Leiche eines Motorradfahrers entdeckt, dessen Identität annimmt und von da an als Kurth W. Wasser eine Karriere als renommierter Schlafforscher macht. Ein großer Lesespaß, schließt der Kritiker.