Jan Koneffke

Die sieben Leben des Felix Kannmacher

Roman
Cover: Die sieben Leben des Felix Kannmacher
DuMont Verlag, Köln 2011
ISBN 9783832195854
Gebunden, 507 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Im Herbst 1934 wird Felix Kannmacher vom Pianisten Victor Marcu aus dem Deutschen Reich geschmuggelt und erhält in Bukarest eine neue Identität. Als Johann Gottwald wird er die Kinderfrau von Marcus Tochter Virginia, bei der er sich schnell als großer Geschichtenerzähler beliebt macht. Als die Freundschaft zwischen beiden enger wird, entlässt ihn der eifersüchtige Vater, und plötzlich ist Kannmacher ganz allein in einem fremden Land. Und so schlägt er sich unter falschem Namen durch: als Kellner im größten Kasino von Bukarest, er arbeitet als Sekretär für die Nazis und versteckt sich in einem Kloster im Karpatenland. Doch in jeder Identität, die sein Schicksal ihm gerade aufbürdet, immer bleibt die Verbindung zwischen ihm und Virginia bestehen, die bald zu einer berühmten Schauspielerin heranwächst.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Jan Koneffke, den Rezensentin Verena Auffermann als leidenschaftlichen Erzähler schätzt, hat mit seinem neuen Roman "Die sieben Leben des Felix Kannmacher" ein deutsch-rumänisches Geschichtsbuch geschrieben, das der Kritikerin ein ganz anderes Bild Rumäniens vorstellt, als sie es etwa aus den Büchern Herta Müllers kennt. Koneffke schildere mit "schelmischer Gelassenheit" die Ereignisse des Landes zwischen den Jahren 1935 und 2001 und so erlebt die Rezensentin hier ein politisches Kräftefeld, in dem sich Nazis und Kommunisten und selten Gerechtigkeit breit macht. Neben vielen Figuren, die ihr wie aus dem "Aquarellkasten von Otto Dix" erscheinen, begleitet sie hier aber insbesondere Koneffkes verträumten und von Überlebenswillen getriebenen Protagonisten, der als Johann Gottwald aus Nazi-Deutschland nach Rumänien flieht, wo er nicht nur eine neue Identität als Felix Kannmacher annimmt und in verschiedenen Jobs als "Kinderfrau" oder Kellner arbeitet, um schließlich ein gefeierter Pianist zu werden, sondern vor allem auch von einer unerreichbaren Frau an die nächste gerät. Mit Freude hat Auffermann diesen ebenso leichthändigen wie "opulenten" Roman als Geschichte eines liebenswerten, aus der Bahn geworfenen Menschen gelesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.12.2011

Jan Koneffke schickt den verschollenen Großonkel aus seiner Familiengeschichte "Eine nie vergessene Geschichte" von 2008 auf der Flucht vor den Nazis nach Rumänien und wartet mit "Balkanmythen" auf, die Meike Fessmann offensichtlich als Geschichtsverdunkelung empfindet. Die Stoßrichtung dieses Romans ist der Rezensentin klar: Der in Wien, Bukarest und Maneciu lebende Autor will ein neues, positiveres Bild von Rumänien als "Nahtstelle zwischen Orient und Okzident" zeichnen, glaubt die Rezensentin. Dafür wird geraunt und fabuliert, es werden Vampirgeschichten mit Rumänienmythen und KZ-Erfahrungen "munter gemischt", so Fessmann irritiert, die zwar die "gute Absicht" des Autors spürt, nämlich eine Lanze für seine Wahlheimat zu brechen, die aber angesichts des Ergebnisses dennoch verstimmt ist. Denn indem Koneffke seinen Helden quasi als Zeitzeugen durch die rumänische Geschichte schickt, setzt er uns ein "Possenspiel" als historische Wahrheit vor, so die Rezensentin indigniert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.12.2011

Kopfüber hineingestürzt hat sich Rezensentin Sabine Vogel in diesen pikaresken Roman, der von den abenteuerlichen Wechselfällen eines Berliner Barpianisten im Zweiten Weltkrieg erzählt. Die Nazis überfallen das jüdische Restaurant, in dem er spielt und zertrümmern ihm die Finger, fortan verbringt er sein Leben auf der Flucht, taucht mal als Kinderfrau bei einem Bukarester Konzertpianisten unter, mal als Kellner in einem Kasino am Schwarzen Meer. Von einem Unheil gerät er die nächste Bredouille. "Atemlos" ist Vogel dieser Odyssee des Glücks und des Schreckens nach eigenem Bekunden gefolgt, attestiert dem Wiener Autor Jan Koneffke enorme Sprachgewalt und schwärmt schließlich von "orientalischer Opulenz und balkanischer Komik".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2011

Am Ende von Jan Röhnerts Besprechung weiß man zwar nicht, was er von Jan Koneffkes Roman hält, aber da er keine Einwände erhebt, lesen wir seine versierte Darstellung als Zustimmung. Koneffke erzählt die Geschichte des Felix Kannmachers, der durchaus an Thomas Manns Felix Krull erinnern soll, der aber auch Züge der Scheherazade und der großen Schelmenfiguren trägt. Kannmacher, ein eher erfolgloser Pianist, flieht von den Nazis nach Rumänien, gerät dort an die großen Pianisten Victor Marcu, der ihn aber ebenfalls aus dem Haus jagt, als dessen Tochter ein Auge auf den deutschen Emigranten wirft, erzählt der Rezensent, auch die rumänischen Freikorps sind ihm nicht gerade wohlgesinnt, die anrückende Rote Armee erst recht nicht. Sein immer wieder glückliches Entkommen und Überleben verdankt der Pianist vor allem seiner Fähigkeit, Geschichten mit gutem Ausgang zu erzählen. Für den Rezensenten ein Schelmenroman, bei dem ihm das Lachen im Halse stecken blieb.
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