Reinhard Sieder

Die Rückkehr des Subjekts in der Kulturwissenschaft

Turia und Kant Verlag, Wien 2004
ISBN 9783851323955
Kartoniert, 250 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Im langen Übergang von der Frühen Neuzeit zur Moderne entstand das Individuum westlicher Art. Gerät es in der "zweiten" Moderne in eine Krise? War die romantische Liebe um 1800 den Adligen und den besitzenden und gebildeten Bürgern vorbehalten? Erleben wir heute die Verwandlung der romantischen Liebe in eine skeptische Liebe? Wie steht es um alte Sehnsüchte nach Geborgenheit, wenn private, politische, religiöse und betriebliche Bindungen immer rascher zerbrechen oder erst gar nicht zustande kommen? Dieses Buch bringt das Subjekt in seiner bedrängten Freiheit zur Sprache. Wir hören uns selbst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.04.2004

Harald Weizer stellt angetan fest, dass es dem Wiener Kulturwissenschaftler Reinhard Sieder im vorliegenden Buch über das Selbstverständnis des handelnden Subjekts und seiner Konstitution von "sozialer Wirklichkeit" gelungen ist, "sozial- und kulturwissenschaftliche Ansätze" zu verbinden. Als besondere "Verdienste" des Autors stellt Weizer dabei zwei Punkte heraus: er findet es sehr lobenswert, dass der Autor mit seinem ersten Kapitel eine klar umrissene, "höchst instruktive" Einführung in eine "historische Kulturwissenschaft post Foucault" liefert. Außerdem erscheint es ihm als sehr hilfreich, dass Weizer nicht lediglich Theoretisches referiert, sondern seinen Ausführungen stets "Fallgeschichten" zur Seite stellt, die die aufgestellten Thesen illustrieren. Dabei hebt der Rezensent angetan hervor, dass nicht nur moderne Lebensgeschichten erzählt werden, sondern auch historische Lebensläufe herangezogen werden, um die verschiedenen Konstruktionen von Subjekten "transparent" zu machen. Besonders "eindrucksvoll" erscheint ihm die Darstellung bäuerlicher Lebensformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der der Autor zeigen kann, dass beispielsweise die Organisation des Zusammenlebens von Hofbesitzern, Knechten und Mägden eine "unerwartete moralische Ökonomie" aufwiesen.