Die Deutung der Ideen Augustins war immer umstritten. 2018 trat sie in eine neue Krise ein mit der Publikation von Kenneth M. Wilsons Buch Augustine's Conversion from Traditional Free Choice to 'Non-free Free Will'. Das Buch handelt von Augustins "Bekehrung", aber nicht von der ersten in Mailand 386, sondern von der letzten zu seiner Spätlehre. Der Buchtitel setzt für Augustins letzte Entwicklungsstufe "Freiheit" in Anführungszeichen, weil sie zwar noch "Freiheit" heiße, aber keine mehr sei. Wilson ermittelt das exakt für Augustin Spätphase, es hat Folgen für ein neues Gesamtbild Augustins. Kurt Flasch erprobt die Argumente dieser originellen Studie unpolemisch anhand von Augustins Bekenntnissen, Buch X. Er untersucht besonders das Verhältnis der Confessiones zu Augustins Brief an Simplician und kommt (mit Wilson) zu dem Schluss: Es ist Zeit, Augustin wieder einmal neu zu lesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2025
Rezensent Hartmut Leppin freut sich, dass Kurt Flasch sich weiter mit Augustinus beschäftigt. Flaschs neues Werk befasst sich laut Leppin einerseits mit Kenneth Wilsons Arbeit zu Augustinus, andererseits mit neu übersetzten Abschnitten aus den "Bekenntnissen", ohne sich groß um die Augustinus-Forschung zu scheren. Nicht schlimm, findet Leppin. Merkwürdig findet er hingegen, dass der Band ein Schlusswort vermissen lässt und auch keine echte "Durchformung" aufweist. Stattdessen kann der Leser Flaschs Denkbewegungen folgen, unterbrochen von Spitzen gegen Kollegen. Erhellendes zu Augustinus und dessen Gedanken zum richtigen Handeln oder zur Zeit enthält der Band aber allemal für diejenigen Leser, die sich von der etwas gewöhnungsbedürftigen (Un-)Ordnung im Buch nicht schrecken lassen, meint Leppin.
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