Kristof Magnusson

Zuhause

Roman
Cover: Zuhause
Antje Kunstmann Verlag, München 2005
ISBN 9783888974021
Gebunden, 314 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Auf Weihnachten in Reykjavik hat sich Larus Ludvigson dieses Jahr richtig gefreut. Er hat ja nichts gegen Weihnachten. Das Problem ist, dass Weihnachten oft etwas gegen ihn hat. Es fängt damit an, dass Larus laut isländischem Melderegister tot ist und deswegen keine Videos ausleihen kann. Und endet damit, als Dagur sich in ihn verliebt und kurz darauf mit seinem Defender in eine Raststätte rast. Selbstmord? Larus hat damit nichts zu tun, kommt aber einem Geheimnis auf die Spur und verwickelt sich in eine Familiengeschichte, die ihn mit seiner isländischen Herkunft auf eine Weise konfrontiert, die er sich nie hätte träumen lassen. Mit großer Leichtigkeit, subtilem Humor und hinreißenden Dialogen erzählt Magnusson eine wilde Geschichte aus dem Großstadtleben am Polarkreis. Fast eine Familiensaga, spannend wie ein Krimi und nebenbei das Portrait einer Generation, die ihr "Zuhause" erst noch finden muss.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.02.2006

Für Christoph Bartmann sind die ersten hundertfünfzig Seiten des Romans von dem in Hamburg geborenen, isländischen Autor Kristof Magnusson nicht gerade spannend. Er hat das Gefühl, es hier mit der typischen "Schreibe" vieler junger deutscher Literaten zu tun zu haben. Der an Liebeskummer leidende Tierfilmer Larus sitzt eben in seiner isländischen WG-Küche herum, raucht und trinkt, und wenn das auch für das normale Leben völlig in Ordnung ist, meint der Rezensent, so lässt sich damit schwerlich ein fesselnder Roman "in Gang" bringen. Mit seiner Liebe zu Dagur, in dessen Folge schlimme Familiengeheimnisse und Verbrechen aufgedeckt werden und in deren Verlauf Larus verletzt, wenn auch nicht besiegt wird, bekommt das Buch aber plötzlich "mächtig Fahrt" und man befindet sich unversehens in einer "Hardcore-Kontrafaktur" eines Island-Romans, stellt Bartmann verblüfft, aber nun deutlich enthusiastischer fest. Er will weiter nichts von der Handlung verraten, versichert aber, dass der Leser, wenn Larus am Ende die Flucht nach Hamburg gelingt, "erleichtert" sein wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2005

Rezensent Rainer Moritz sieht diesen Debütroman in einem durchweg freundlichen Licht - auch wenn Kristof Magnusson, Absolvent des Leipziger Literaturinstituts, nichts wirklich Neues zustande gebracht hat. Doch atmosphärisch und inhaltlich ist sein Roman über eine Freundesclique durchweg stimmig, so der Rezensent. Etwas weniger - oder bessere - Metaphern und Bilder hätten dem Roman gutgetan. Doch auch so stellt sich am Ende "das schöne Gefühl ein, einen vielversprechenden Erstling gelesen zu haben" - und Lust, das derzeit fleißig gehypte Reykjavik kennenzulernen, hat Moritz auch bekommen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.10.2005

Der Halbisländer Kristof Magnusson ist lange schon in Deutschland zuhause. Er hat am Literaturinstitut in Leipzig studiert, zwei sehr erfolgreiche Theaterstücke vorgelegt und nun seinen ersten Roman. Dessen Ich-Erzähler mit Namen Larus ist ein Isländer, der lange schon in Deutschland zuhause ist. Ein Heimatroman, und zwar ein isländischer, ist es, findet die Rezensentin Anne Kraume, dennoch geworden. Das Island, das man kennenlernt, habe freilich mit den Klischees wenig zu tun: keine blubbernden Geysire, keine Elfen und Björk kommt auch nicht vor. Vielmehr geht es um Liebesgeschichten, die enden, um Landrover, die in Geschäfte fahren und zwischendurch geht es fast kriminalromanartig zu, erfahren wir. Und am Ende lässt sich Larus vom "Familienfimmel" eines Freundes anstecken. Da droht der Plot, meint Kraume, ein wenig aus dem Gleis zu geraten. Aber Magnusson bleibe doch souverän, vor allem, weil er eines eben wirklich kann: tolle Dialoge schreiben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.10.2005

Klaus Nüchtern versteht das Rezensentenhandwerk. So hat er in seiner Kritik von Kristof Magnussons "Zuhause" eine geschickte, überraschende Wendung eingebaut. Da lobt er erst das "beachtliche komische Potenzial" von Buch und Autor, preist die "Genauigkeit der narrativen Konstruktion", die "Subtilität der Figurenzeichnung", hebt die Sorgfalt hervor, die auf die Motiventwicklung verwandt wurde, macht noch einmal deutlich, dass hier einer seine eigene Sprache, ja, seinen "Sound" gefunden hat, was sich vor allem in den Dialogen zeige, weist den Leser eigens noch einmal hin auf die "feinen Haarrisse in der polierten Oberfläche" des Textwerkstücks, - und dann stellt er mitten in diese Kritiker-Autor-Idylle die lakonische Bemerkung, dass der Roman "dennoch nicht als vollkommen geglückt gelten" könne. Denn da gibt es offenbar so Gerede um eine Familienverschwörung, isländischer Mythenstoff, den hätte Nüchtern gern "interdisziplinären Kolloquien mit poststrukturalistisch aufgekratzten Diplomanden überlassen". Es zeigt sich aber, wenn man weiterliest in Nüchterns Besprechung, die sich über diesem Einwand schließt wie das Wasser des Teichs über einem Stein, dass der Rezensent der Ansicht ist, nicht nur ein beachtliches Debüt gelesen zu haben, sondern auch einen beachtlichen Autor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2005

Durchaus angetan zeigt sich Rezensent Richard Kämmerlings von diesem Romanerstling des isländischen Autors Kristof Magnusson. Zunächst erscheint ihm das Buch ein wenig wie eine ans Nordmeer verlegte Variante von Benjamin von Stuckrad-Barres "Soloalbum". Zumindest attestiert er dem Roman eine ähnliche durch "sympathische Selbstironie und Sarkasmus überspielte Melancholie". Ein Missverständnis wäre es nach Kämmerlings Ansicht allerdings, Magnussons Buch wegen der zahlreichen popkulturellen Referenzen als "exotisch camouflierten" Poproman einzusortieren. Ungefähr bis zur Hälfte erzähle das Buch die Geschichte einer gescheiterten Liebe, um dann zunehmend zu einem Krimi zu werden, wenn der von seinem Freund verlassene Dokumentarfilmer Larus etwas mit dem psychisch labilen Globalisierungsgegner und Verschwörungstheoretiker Dagur anfängt, der bald darauf zu Tode kommt. In dem Maße, in dem sich der Roman zu einem Krimi mit genretypischen Elementen verenge, so Kämmerlings, "weite er sich zu einer allegorischen Abrechnung mit der isländischen Abstammungsmanie und damit verbundenen nationalen Mythen". Das tut dem Buch nach Ansicht Kämmerlings nicht wirklich gut. Magnusson bürde seiner zunächst "leichtfüßigen und ironischen" Geschichte ein Gewicht auf, das die Konstruktion des Roman nicht tragen könne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.08.2005

Christoph Schröder sieht durchaus einige Angriffspunkte in Kristof Magnussons Erstling, amüsiert sich bei der Lektüre aber dennoch königlich. Die Ausgangssituation sei keine sonderlich originelle: zwei frisch getrennte Pärchen auf Weihnachtsurlaub in Reykjavik, eins hetero-, eins homosexuell, und alle sehr verworren miteinander verbunden. Anfangs passiere erst einmal gar nichts, der Leser liege permanent auf der Lauer, und dann geht's los: In drastischem Tempo, mit "comicähnlicher Rasanz" geschehen die wildesten Dinge, die in einem "arg konstruiert wirkendem Showdown" enden. Hört sich arg negativ an, ist aber gar nicht so gemeint, denn der Spaß ist dabei nie auf der Strecke geblieben, stellt der Rezensent fest. Daher verzeiht er Magnusson auch manch eine übertriebene Effekthascherei, zumal sich der Autor als hervorragender Dialogschreiber voller Komik zeige. Trotz aller eventueller Kritik sieht Schröder in dem roman doch ein ziemlich rundes Ganzes, "die überwiegend geglückte Fortschreibung der Pop-Literatur der neunziger Jahre mit literarischen Mitteln".
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