Nathanael West

Miss Lonelyhearts

Roman
Cover: Miss Lonelyhearts
Manesse Verlag, Zürich 2012
ISBN 9783717522744
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Dieter E. Zimmer. Scheinheiligkeit, Scheinmoral, Scheinentrüstung - das ging im Medienzirkus schon immer zusammen und tut es bis heute. Nathanael West zeigt in seiner flammenden Satire, wie dreist im modernen Pressewesen getäuscht und geheuchelt wird. Mit seiner "Miss Lonelyhearts" präsentiert er eine wunderbar ambivalente Schlüsselfigur des großen Bluffs. "Haben Sie Sorgen? Schreiben Sie an Miss Lonelyhearts!" - Die Leserschaft des New Yorker Post-Dispatch macht regen Gebrauch von der Offerte, und die Briefe in der Redaktion stapeln sich höher und höher.
Ob es um Pubertätsnöte geht, um Inzest oder gebrochene Herzen - Miss Lonelyhearts hat garantiert die passenden Worte auf Lager. Dass die beliebte Trostspenderin in Wahrheit eine durch und durch trostlose Existenz ist, wissen nur die feixenden Kollegen. Schonungslos deckt der Roman den faulen Zauber eines Systems auf, das auf billigsten Illusionismus setzt und Menschen vorsätzlich für dumm verkauft. "'Miss Lonelyhearts' ist aus dem Stoff, aus dem unsere Zeitungen sind - bloß dass West die Wahrheit erzählt." (Dashiell Hammett)

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.08.2013

Simon Strauss erinnert an einen großen Roman, Nathanael Wests 1933 erschienene Protokollierung der Leidensgeschichte eines jungen Mannes mit schwerem Gemüt und Helfersyndrom, der sein Geld als Kummerkastentante einer New Yorker Zeitung verdient. Das Buch als Sammelsurium menschlicher Not findet Strauss schlicht ergreifend. Dafür dass die religiöse Dimension nicht zu stark, der Generationenroman nicht zu offensichtlich wird, steht für Strauss ein entschieden surrealistischer Zug, der den Rezensenten beim Lesen angenehm an Filme von Bunuel und Bilder von De Chirico erinnert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.02.2013

Kirsten Voigt stellt den bereits 1940 nach nur vier Romanen bei einem Autounfall verstorbenen Nathanael West als einen amerikanischen Autor der "lost generation" vor und informiert, dass dieser ganze vier Jahre zur Entwicklung des "eigenartigen, einprägsamen Erzähltons" seiner Geschichte über einen männlichen Betreuer der New Yorker Kummerkastenkolumne "Miss Lonelyhearts" benötigt hat. Dieser flüchtet sich angesichts des Zynismus seines Gewerbes - der Zurschaustellung von Liebesproblemen anderer in der Öffentlichkeit - in einen übersteigerten religiösen Furor und wandelt bald, wie die Rezensentin anmerkt, verloren durch sein eigenes Leben. Dabei gelingen West in seiner "sehr amerikanischen Story" immer wieder starke Momente, lobt Voigt abschließend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Shitstorms gab es also schon 1933, stellt Rezensent Hubert Spiegel fest, nur eben als Kummerbriefchen an die Tageszeitung. Was Nathanael West daraus gemacht hat, gefällt Spiegel zwar nicht als Satire, wie der Verlag es etikettenschwindelhaft ankündigt, aber als Erlösergeschichte mit einer Spur Screwball schon. Die Kette konsequent aneinandergereihter Zufälle nimmt Spiegel West ab, Explosion, nicht Epos sei dessen Motto gewesen, und den Kummerkastenonkel, der sich aufmacht, als Mischung aus Christus und Raskolnikow die Welt vom Elend zu befreien, ist für den Rezensenten die rechte Heldenfigur dazu, ein bisschen wahnsinnig, ein bisschen gewalttätig. Formal begeistert ihn West durch einen lakonischen und zupackenden Stil, der immer wieder surreal wegdriftet. Für Spiegel ein Autor, der hier in neuer Übersetzung und mit einem, wie er findet, lesenswerten Nachwort von Dieter E. Zimmer wiederzuentdecken ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Renate Wiggershaus bleibt etwas einsilbig in ihrer Besprechung von Nathanael Wests anhand von lauter Zeitungsratgeberbriefen zusammengeschriebenem Roman, der gut 50 Jahre nach der ersten Übersetzung nun in, wie Wiggershaus anmerkt, kongenialer Neuübertragung von Dieter E. Zimmer vorliegt. Über Nachwort und Anmerkungen, die Zimmer dem Buch angedeihen lässt, erfahren wir von Wiggershaus nichts. Die Handlung: Miss Lonelyhearts, eigentlich ein Mann, hat es satt, die hoffnungsvoll Ratsuchenden mit Briefen aus der Redaktion abzuspeisen. Dem Entschluss, wirklich helfend tätig zu werden, folgen allerdings keine sehr heroischen Taten, es fehlt Lonelyhearts an Erfahrung, Menschenkenntnis und der nötigen Nächstenliebe. Das nicht zu beseitigende Elend, das der Roman darstellt, lässt Wiggershaus illusions- und trostlos zurück. Eine Lektüreempfehlung ist das nicht gerade.
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