Kriegsgedenken als Event

Der 9. Mai 2015 im postsozialistischen Europa
Cover: Kriegsgedenken als Event
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2017
ISBN 9783506784346
Kartoniert, 345 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Von Mischa Gabowitsch, Cordula Gdaniec und Ekaterina Makhotina. Der 9. Mai ist der weltweit wahrscheinlich am breitesten zelebrierte Kriegsgedenktag und vor allem in Russland, den ehemaligen Sowjetrepubliken und Ländern mit großen russischsprachigen Bevölkerungsanteilen ein Volks- und Familienfest. Der 2015 gefeierte 70. Jahrestag des Kriegsendes 1945 war mit besonderer Emotionalität aufgeladen. Das Buch liefert eine Biografie dieses Tages, beschreibt Nachleben und Verwandlungen der sowjetischen Festkultur, gesellschaftliche Initiativen wie das "Unsterbliche Regiment", den Kampf um das Kriegsgedenken in der Ukraine und anderen postsozialistischen Staaten sowie die Bedeutung des sowjetisch geprägten Kriegsgedenkens im vereinten Deutschland. Aber auch die Bedeutung dieses Tages für das Selbstverständnis der russischsprachigen Minderheiten von Estland bis Deutschland wird betrachtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2017

Holger Thünemann empfiehlt den von Mischa Gabowitsch, Cordula Gdaniec und Ekaterina Makhotina herausgegebenen Band zu den unterschiedlichen Gedenkpraktiken zum Kriegsende als bisher von der Geschichtswissenschaft eher vernachlässigtes Thema. Allerdings betont er, dass der 9. Mai nur im Ostblock als Tag des Kriegsendes begangen wird. Interessant erscheint ihm der Blick auf die Dynamik solcher Veranstaltungen als Verbindung von institutionalisierter Inszenierung und Gestaltung "von unten". Die ethnografischen Beiträge der laut Thünemann meist jüngeren Wissenschaftler aus Osteuropa über das Gedenken in Belarus, Estland, Deutschland, Russland und der Ukraine findet er besonders lesenswert, offenbaren die Analysen doch konkurrierendes Gedenken, den Eventcharakter oder auch das Lokalisieren des Gedenkens. Micha Gabowitschs Text über sowjetische Gedenkorte in Berlin und Wittenberg und Formen des Erinnerns unter Einwanderern hält er für besonders lesenswert.