Aus dem Englischen von Christiana Goldmann. Jahrzehntelang galt Stalin als unumstrittener Diktator der Sowjetunion. Daher beurteilten viele Historiker seine engsten Vertrauten lediglich als Ja-Sager und Statisten auf der politischen Bühne. Sheila Fitzpatrick korrigiert diese Sicht und zeigt, dass hinter Stalin eine Gruppe loyaler Anhänger stand, die zusammen mit ihm ein Team bildeten, das vom Ende der 1920er Jahre bis zu seinem Tod eine ebenso bemerkenswerte wie erschreckende Effizienz an den Tag legte. Stalins Entourage fürchtete und bewunderte ihn gleichermaßen; der Despot wiederum hatte nur diese Gefolgsleute als soziales Umfeld. Die Leser begegnen dem Geheimdienstchef Berija, den die anderen Mitglieder nach Stalins Tod eilends hinrichten lassen. Molotov, die Nr. 2 nach Stalin, bleibt Teil der Mannschaft selbst nachdem seine Ehefrau ins Exil geschickt wird. Andreev, der Chef der Parteikontrollkommission, hat auf den Reisen zu blutigen Säuberungen in der Provinz sein Grammophon dabei…
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2017
Jürgen Zarusky hätte sich von der Historikerin Sheila Fitzpatrick mehr kritische Tiefenschärfe bei der Betrachtung des Stalinismus und seines Nachwirkens gewünscht. Fitzpatricks auf Erinnerungsliteratur gestützter lebendiger Blick auf die Arbeit von Stalins Spitzenfunktionären nach dessen Tod scheint dem Rezensenten zwar lesenswert und gut lesbar, doch scheint ihm die Autorin mitunter die Distanz zu ihrem Gegenstand vermissen zu lassen. So klammert die Autorin wichtige Dokumente zu den internationalen Beziehungen in ihrer Betrachtung aus, meint er, und marginalisiert den Großen Terror, der laut Zarusky von Stalins Leuten organisiert wurde.
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