Konrad Ratz (Hg.)

Vor Sehnsucht nach dir vergehend

Der private Briefwechsel zwischen Maximilian von Mexiko und seiner Frau Charlotte
Cover: Vor Sehnsucht nach dir vergehend
Amalthea Verlag, Wien 2000
ISBN 9783850024419
Gebunden, 464 Seiten, 27,87 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.08.2000

Zwiespältig äußert sich Hanno Zickgraf zu diesem Buch. Einerseits mokiert er sich über das "Pathos des Ehrenretters" des Herausgebers und die Aufmachung bzw. den Titel des Buchs, womit man es - wie er vermutet - vor allem auf das "Publikum adelsseliger Nostalgiker oder Serienromanleser" abgesehen habe. Zum anderen aber geben die Briefe nach Ansicht des Rezensenten Aufschluss über den Niedergang, "wenn nicht gar Verwahrlosung" einer `Elite`. So weist Zickgraf darauf hin, dass man wenig über das Kaiserreich erfährt, jedoch umso mehr über die Befindlichkeiten des Maximilian und seiner Gattin. Maximilian erscheint demnach reichlich naiv, als ein Mann, der andere Menschen in Freunde und Feinde aufteilt, der sich immer wieder über die kühle Witterung beklagt und ansonsten seine Frau mit emphatischen und doch gleichzeitig leblosen Liebeserklärungen beglückt - damit auch sie ihn lieb hat. Charlotte hingegen, so erfährt der Leser, zeigt deutlich stärkeren Herrscherinstinkt, ihre Beobachtungen seien "differenzierter", allerdings zeigt sich Zickgraf von ihrer Überheblichkeit gegenüber den Einheimischen spürbar abgestoßen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2000

Der Rezensent mit dem Kürzel „rox“ scheint die Herausgabe dieser Briefe grundsätzlich zu begrüßen - ist doch die europäische Fachliteratur zu Maximilian von Mexiko immer noch von Legenden und Klischees geprägt, wie er anmerkt. Auch zum Privatleben Maximilians und seiner Frau soll es böse Gerüchte gegeben haben. Diesen nehmen die vorliegenden Briefe jedoch, so „rox“, den Wind aus den Segeln: So ist nämlich alles „liebevoll, rosig und einvernehmlich, zu und her gegangen (...) bei den Hoheiten“. Bei so viel Süßholzraspeln allerdings verlieren sich „die Konturen des Politischen fast vollständig“, wie der Rezensent feststellt.