In einem spektakulären Prozess vor dem Berliner Kriminalgericht in Moabit stellte der junge Rechtsanwalt Hans Litten 1931 den "Schriftsteller" Adolf Hitler als Zeugen für die Gewaltbereitschaft von SA und NSDAP zur Rede. Litten verteidigte in zahlreichen Prozessen straffällige Jugendliche, trat als Nebenkläger für die von faschistischen Rollkommandos attackierten Kommunisten auf und legte sich mit der rechtslastigen Justiz der Weimarer Republik an. Seine Biografie ist eine deutsche Lebensgeschichte, die mit der jüdischen Jugendbewegung in Ostpreußen begann und im Konzentrationslager Dachau endete. Im geteilten Deutschland wurde sie in unterschiedlichen Versionen überliefert. Die einen würdigten den antifaschistischen Bündnispartner der Arbeiterklasse, die anderen - mit jahrzehntelanger Verspätung - den Verteidiger des republikanischen Rechtswesens. Heute ist Hans Litten - nicht zuletzt durch die TV-Serie "Babylon Berlin" - weit über Deutschland hinaus als politischer Anwalt bekannt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.08.2022
Rezensentin Liane von Billerbeck wünscht der von Stefanie Schüler-Springorum, Sabine Fröhlich und Knut Bergbauer besorgten Biografie über den 1903 in Halle geborenen 1939 in Dachau gestorbenen Anwalt und Aktivisten Hans Litten, der sich mit Hitler und dem NS-Regime anlegte und dafür qualvoll starb, viele Leser. Was den Band abgesehen von Littens zweifellos beeindruckender Lebensleistung so interessant und lesenswert macht, vermittelt die Rezensentin leider überhaupt nicht.
Rezensent Klaus Hillenbrand kennt Hans Litten als Denkmal eines Juristen, der gegen Hitler und den NS-Staat aufbegehrte. Die von Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich und Stefanie Schüler-Spingorum verfasste Litten-Biografie macht ihn auch mit einem anderen Litten bekannt, indem sie ihn als Jugendbewegten zeigt, der sich für den Talmud und gotische Architektur interessierte und im "Schwarzen Haufen" agitierte. Der "Ikone der Geschichte" wird mit dem "detailliert recherchierten" Band nichts von ihrem Glanz genommen, die Autoren ergänzen sie, findet Hillenbrand. Über die deutsche Justiz der 1930er Jahre erfährt der Leser auch eine Menge, wenngleich überwiegend Unangenehmes, erklärt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.03.2022
Rezensent Matthias Arning empfiehlt die Neufassung der Litten-Biografie von Knut Bergbauer, Sabine Fröhlich und Stefanie Schüler-Springorum. Mit neuem aktualisierendem Titel, hofft Arning, spricht der Band ein breites Publikum an. Littens Geschichte als unbeugsamer Jurist im Kampf gegen die Nationalsozialisten lohnt die Lektüre, versichert er. Die von Litten initiierten Prozesse gegen den SA-Terror und Hitlers perfide Strategie leben im Buch wieder auf, meint Arnig, und lassen Litten als "Denkmalsfigur" erscheinen.
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