Im August 1945 detonierten über Hiroshima und Nagasaki die beiden einzigen Atombomben der Kriegsgeschichte. Die erste, so hieß es damals, habe Japan beeindruckt, doch erst die zweite ließ es kapitulieren. Beide Bomben seien nötig gewesen, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Doch waren sie wirklich entscheidend? Klaus Scherers Zweifel an dieser Darstellung begannen mit der Frage nach dem Sinn des Massakers von Nagasaki. Gestützt auf neue historische Forschung, Filmdokumente und ergreifende Interviews mit Zeitzeugen zeichnet er ein anderes Bild: das eines kalkulierten, vermeidbaren Verbrechens. Von Beginn an ging es darum, die Bomben zu testen. Japan, militärisch längst geschlagen, lieferte dazu die Gelegenheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2015
Seit Jahren schon herrscht Uneinigkeit unter Historikern, ob der Einsatz der Atombombe in Hiroshima und insbesondere der zweiten in Nagasaki tatsächlich die Kapitulation Japans bewirkt hat, was das Handeln der Verantwortlichen in mancher Augen wenigstens teilweise legitimieren würde, weiß Carsten Germis. Der Fernsehjournalist Klaus Scherer widerspricht der These der Kriegsverkürzung in seinem Buch "Nagasaki" jetzt aufs Heftigste, berichtet der Rezensent. Leider bedient Scherer dabei schlicht antiamerikanische Ressentiments und vereinfacht im Rückblick des überinformierten Nachgeborenen die damalige Entscheidungslage extrem, kritisiert Germis. Wo Scherer die Erfahrungen der Opfer und die politische Gemengelage lediglich beschreibt, ist er stark, mit seinem einhelligen Urteil macht er es sich jedoch zu leicht, findet der Rezensent.
Alan Posener ist entsetzt und gelangweilt darüber, beim TV-Journalisten Klaus Scherer den gleichen alten antiamerikanischen Ressentiments und Instrumentalisierungen der Atombombe zu begegnen wie seit jeher. Dass der Autor zum Jahrestag der Atombombenzündungen in Hiroshima und Nagasaki tatsächlich immer noch behauptet, die Wirkung von Nagasaki und Hiroshima seit bis heute nicht infrage gestellt worden, kann er nicht glauben. Für das einzige deutsche Buch zum Jahrestag eine müde Ausbeute, findet Posener, zumal sich der Autor auschließlich bei eigenen bereits zuvor verwerteten Interviews und Recherchen bedient und revisionistische Thesen des japanischen Historikers Hasegawa referiert, wie der Rezensent feststellen muss. Die westliche Diskussion über den moralischen und militärischen Sinn der Atombombe, meint Posener, kommt bei Scherer überhaupt nicht vor.
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