Klaus Modick

Der kretische Gast

Roman
Cover: Der kretische Gast
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783821809298
Gebunden, 457 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Johann Martens soll auf der von den Deutschen besetzten Insel prüfen, welche Kunstgegenstände sich als Raubgut für Hitlers germanisches Museum eignen. Gemeinsam mit dem Kreter Andreas erkundet er auf einem alten Motorrad die Mittelmeerinsel und wird mehr und mehr von der griechischen Lebenskunst und nicht zuletzt auch von Andreas' Tochter Eleni angezogen. Als eine todbringende Razzia der deutschen Besatzer das Dorf von Andreas und seiner Familie bedroht, muss Johann entscheiden, auf welcher Seite er steht. Immer tiefer wird Martens in die Wirren des Partisanenkriegs verstrickt. Während sich alte Gewissheiten auflösen, geraten sein Leben und seine Liebe in größere Gefahr denn je zuvor...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2003

Reichlich Spott hat Volker Breidecker für diesen Urlaubsroman übrig, der ihm zufolge teils von Homer, in den Landschafts- und Frauenkörperbeschreibungen jedoch eher von Karl May inspiriert zu sein scheint. Dieser erzähle von "modernen Kriegern und ihren Nachfahren, die aus dem fernen Germanien auf der ägäischen Insel einfielen", wie der Rezensent etwas salopp erläutert. Der Geschichtsstudent Lukas Hollbach macht sich darin 1975 auf den Weg, die Verstrickungen seines Vaters (zuständiger Nazikriegsverbrecher auf Kreta), über die dieser sich in Schweigen hüllt, zu recherchieren. Parallel schreibt Modick die Geschichte des promovierten Kunsthistorikers Johann Martens, der "im Auftrag Hitlers" den Kunstraub auf Kreta organisieren sollte, sich jedoch durch Wein, Weib und Gesang zum Partisanen hat bekehren lassen und selbstredend zum Opfer Hollerbach Seniors wird. "Unerträglich" verschmolzen fand der Rezensent hier "Liebe und Abenteuer, Mythos und Zeitgeschichte, Archäologie und Urlaubsfolklore", die der Autor "in so viel Ouzo, Raki und Rezina getränkt" habe, "dass er hier und da sogar die Namen seiner Hauptfiguren verwechselt habe".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2003

Friedmar Apel kann diesem Roman, der während der deutschen Besatzungszeit auf Kreta spielt, wo sich ein mit Beutekunst befasster deutscher Archäologe in eine Griechin verliebt, nicht viel abgewinnen. Eigentlich schätzt er den Autor als "versierten Produzenten intelligenter Unterhaltungsliteratur", betont Apel. In diesem Buch allerdings sei Klaus Modick von seiner allenthalben spürbaren Liebe zu Griechenland davongetragen worden und ergehe sich allzu schwelgerisch der Beschwörung der Schönheit der Insel, bedauert der Rezensent. Auch die Schilderung insbesondere der griechischen Protagonisten überzeugt ihn nicht recht, denn sie wirken auf ihn zu "pittoresk" um Anspruch auf Echtheit behaupten zu können. Die Dialoge schließlich moniert er als ziemlich "hölzern". Zu Apels Enttäuschung geht das Romangeschehen in "Kitsch und Klischee" unter, wobei sich der Autor, wie er kritisiert, durch seine Griechenland-Begeisterung zu allzu "emphatischen Stilmitteln" hinreißen lässt. Zur Kunst des Erzählens gehört eben auch das "Weglassen", mahnt Apel weise und er bedauert, dass der Autor dies in diesem Roman nicht beachtet hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2003

Begeistert ist Jochen Hörisch von Klaus Modicks neuem Roman. Begeistert von der Leichtigkeit, mit welcher der Autor Zeitgeschichte, Philosophisches und Philologisches transportiert und vermittelt. Modick werde regelrecht von Erzähllust "vorangetrieben", schreibt Hörisch wohlmeinend, wie man sie sonst nur aus lateinamerikanischer Prosa kenne. Dabei scheue er auch nicht vor kolportagehaften Elementen, genau kalkulierten Sentimentalitäten und massenhaft literarischen Anspielungen zurück. Da werden spätere Doktoranden viel Dechiffrierarbeit leisten müssen, unkt Hörisch und nennt schon mal für diesen auf Kreta spielenden Roman Platons Gastmahl, Arkadien-Mythos und Orpheus-Klänge, Virilios Medientheorie und "psychoanalytische Quellen thalassaler Regressionslust" als mögliche Ansatzpunkte. Daneben sei "Der kretische Gast" auch ein gelungener Liebesroman, meint Hörisch, gegen den er überhaupt nichts einzuwenden finde, außer dass er fast zu perfekt erscheine.
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