Die Arbeit des Suchdienstes ist ein aufregendes humanitäres Puzzle. Noch heute ist das Schicksal von rund 1,4 Millionen Menschen ungeklärt, die in Folge des Zweiten Weltkriegs als vermißt gemeldet worden sind. Gegründet wurde die Einrichtung, die bald in allen Landkreisen Dienststellen unterhielt und dem Deutschen Roten Kreuz angegliedert wurde, im Mai 1945 in Flensburg. Tausende machten vom ersten Tag an von der Möglichkeit Gebrauch, die vermißten Angehörigen in die Suchkarteien eintragen zu lassen. Unterdessen haben neue Konflikte unzählige Familien auseinandergerissen. Dazu zählen der Vietnam-Krieg in den sechziger und die Auseinandersetzungen auf dem Balkan in den neunziger Jahren. Auch bei Naturkatastrophen ist der Suchdienst gefragt. Klaus Mittermaier schildert nicht nur die Arbeit der Organisation, sondern läßt auch die Betroffenen zu Wort kommen - mit ihren oft bewegenden Schicksalen und gelegentlich auch außergewöhnlichen Anliegen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.07.2002
Recht detailfreudig berichtet Dorothea Heintze über das Buch von Klaus Mittermaier, Leiter des 1950 ins Leben gerufenen Deutschen Suchdienstes des Roten Kreuzes. Dieser kann auf eine lange und oft erfolgreiche Geschichte zurückblicken, so die Rezensentin. 60.000 Nachrichten etwa habe er während des Bosnien-Krieges zwischen Menschen in Deutschland und im Kriegsgebiet vermittelt, 53 Millionen Karteikarten lagerten insgesamt im Münchner Archiv, acht Millionen in der Außenstelle in Berlin. Einen extremen Auftrieb habe der Suchdienst nach 1989 erfahren, als er endlich Zugang auch zu den Archiven in der DDR und Osteuropa erhalten konnte. Heintze jedenfalls ist von der Arbeit des Suchdienstes, dessen Geschichte Mittermaier hier präsentiert, offensichtlich schwer beeindruckt. Denn schließlich ist die Geschichte des Suchdienstes, so die Rezensentin, auch die Geschichte von Menschen.
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