Hans Magnus Enzensberger (Hg.)

Krieger ohne Waffen

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
Cover: Krieger ohne Waffen
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783821845005
Gebunden, 328 Seiten, 27,61 EUR

Klappentext

Als sich im Jahre 1863 ein paar Genfer Honoratioren trafen, konnte niemand ahnen, dass damit eine Institution auf den Plan trat, wie sie die Geschichte der Menschheit nie zuvor gekannt hat. Heute ist das IKRK ein weltumspannender humanitärer Konzern, der über ein Milliardenbudget verfügt. Seine einzigartige Stellung ist durch zahlreiche völkerrechtliche Konventionen verbürgt. Dieses Buch gibt Auskunft über den Ursprung, die Geschichte, die Erfahrungen und die Krisen des Komitees.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.11.2001

Alles andere als ein Loblied auf das Rote Kreuz ist dieses Buch, das Rezensentin Renee Zucker gelesen hat. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) sei keine Menschenrechtsorganisation, dagegen stehe allein schon der Grundsatz "Neutralität und Vertraulichkeit geht über alles", schreibt Zucker. So würden dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag etwa wichtige Informationen über Opfer im Jugoslawien-Krieg vorenthalten. Schließlich wolle das IKRK auch weiterhin Notleidenden helfen - und dazu müsse man zu allen kriegsführenden Parteien Kontakt halten, übermittelt die Rezensentin. Die gut ein Dutzend Beiträge seien "aus der Sicht der Helfer" (auch von Helfern?) geschrieben; diese müssten sich immer mehr mit der eigenen Sicherheit beschäftigen, da die Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten immer gefährlicher werde. Die IKRK-Helfer hätten erkannt, dass es sinnlos sei, von einer "Welt ohne Krieg" zu träumen, schreibt Zucker, deshalb sollten sich die "Krieger" wenigstens an bestimmte Regeln halten. Herausgeber Hans Magnus Enzensberger bezeichnet den Band als "scharfsichtiges wie herzzerreißendes Panorama" - dem schließt sich die Rezensentin an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.07.2001

Hans Magnus Enzensberger hat diesen Sammelband über das Rote Kreuz zusammengestellt. Darin finden sich zwei essayistischere Aufsätze: einer von Daniel Hitzig, der das Verhältnis von Internationalem Roten Kreuz und seinen nationalen Abteilungen untersucht- "in einem unterhaltsamen Durchgang", wie der Rezensent ihm bescheinigt. Michael Ignatieff steuert einen "großangelegten Aufsatz" über die Arbeitsbedingungen des IKRK (des Internationalen Komtttees vom Roten Kreuz) bei. Vor allem aber umfasst der Band - so Rezensent Carsten Stütz . "Reportagen, Porträts und Berichte aus erster Hand". Man gewinne Einblick in den Wandel der internationalen Konflikte: in den Kriegen, die aber oftmals auf der Grenze zwischen "reinem Terror" und Krieg liegen, sind die Fronten unklar geworden. Viele der Warlords neueren Typs sind skrupellos genug, sich an "Autos, Funkgeräten und Lebensmitteln", die das Rote Kreuz besitzt, schadlos zu halten, so der Rezensent. Stütz bezeichnet den Band als "bewegendes Dokument", das jedoch auch mit "zahlreichen kuriosen Details" aufwarten kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2001

Paul Stauffer rezensiert diese von Enzensberger herausgegebene Anthologie sehr dezidiert. Vorneweg scheinen ihm die Auswahlkriterien für diesen Sammelband einigermaßen unklar. Lobenswert scheint ihm, dass selten gelesene Beiträge zu diesem Thema von Marcel Junod und Henry Dunant aufgenommen sind. Im Gegenteil sei "Das Internationale Rote Kreuz und das Dritte Reich" von Jean-Claude Favez sehr häufig zu lesen; die Chance durch eine Aufnahme in diesen Band Mängel der deutschen Übersetzung und sachliche Mängel zu korrigieren, wurde allerdings, so der Rezensent, nicht genutzt. Außerdem würde die Legende kolportiert, dass das IKRK ziemlich genau um die Konzentrationslager wusste, es aber der Öffentlichkeit vorenthielt. Der Rezensent stellt diesen Sachverhalt klar. Eine der Stärken dagegen sei, dass die gegenwartsbezogenen Beiträge die Schwierigkeiten des IKRK beim Namen nennt, eine andere, dass Reminiszenzen ehemaliger IKRK-Mitarbeiter Aufnahme in den Sammelband gefunden hätten. Als besonders lesenswert empfiehlt Stauffer die Beiträge von Daniel Hitzig, Jürg Bischoff und Georg Brunold. Kritik dagegen finden die zwei Beiträge von Michael Ignatieff. Während er den Leser zwar mit einigen originellen Gedanken erfreut, unterlaufen ihm doch viele grobe Fehler, die der Rezensent aufzudecken weiß.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.05.2001

Ein wenig gespreizt klingt es ja schon, wenn Elisabeth Bauschmid schreibt, die "dünne Gazehaut" des Einbands könne die "Wunden" nicht kaschieren, die das IKRK (Internationales Komitee Rotes Kreuz) selbst betreffen. Was ist es also, das da "durchschimmert wie Blut"? Von internen Querelen ist die Rede, von einem problematischen Selbstverständnis "als neutrale Organisation" und einer zweifelhaften Haltung im Nationalsozialismus, mit der sich die Autoren der versammelten Texte "(selbst-)kritisch auseinandersetzen". "Dabei ist es doch eine Erfolgsgeschichte", erklärt Bauschmid und gibt Beispiele, von der Rettung Mauthausener KZ-Häftlinge bis zu couragierten Einsätzen in Somalia. Dass die Texte auch die Grenzen humanitärer Handlungsspielräume "in der Postmoderne" ausloten, findet die Rezensentin allerdings wichtig genug, um mit lauter dem Band entnommenen Fragen zu schließen, die an der Legitimität so mancher Vorgehensweise des IKRK kratzen.
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