Der moderne Antisemitismus kann nur verstanden werden in seiner Verbindung mit dem Nationalismus. Erstmals steht dieser Zusammenhang im Zentrum einer Studie. Länderübergreifend werden verschiedene Formen des Antisemitismus von 1870 bis zur Gegenwart analysiert. Überall zeigt sich das gleiche Grundmuster: Gegenüber dem antisemitischen Bild der "Juden" wird das Selbstbild "Volk" und "Nation" aufgebaut. Der moderne Antisemitismus ist ein nationaler Antisemitismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.06.2001
Die Habilitationsschrift des Soziologen Klaus Holz kommt bei Dagmar Pöpping sehr gut weg. Nicht nur, dass die Rezensentin die Analyse seiner Fallbeispiele - sechs politisch höchst unterschiedliche antisemitische Texte aus der Zeit von 1879 bis 1986 - brillant findet. Die wissenschaftliche Arbeit ist auch noch gut verständlich und flüssig geschrieben, lobt Pöpping. Und sie enthält viel politischen Sprengstoff, stellt die Rezensentin fest. Denn Holz interpretiere die Texte beinahe unabhängig von ihrem historischen Kontext und gebe dem Leser ein Instrumentarium an die Hand, Antisemitismus schnell und deutlich zu verorten. Einzig Holz' These, Antisemitismus sei das Produkt des modernen Nationalismus, will die Rezensentin nicht gänzlich zustimmen. Denn Pöpping sieht die Wurzeln des Antisemitismus eher in einer Krisenstimmung am Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Kritik mindert aber trotzdem nicht ihr positives Urteil. Holz habe hier soziologisch-linguistische Methoden hier mit einer historischen Thematik gelungen und wissenserweiternd miteinander verbunden.
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