Friedbert Pflüger

Ehrenwort

Das System Kohl und der Neubeginn
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2000
ISBN 9783421053961
gebunden, 240 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Wie hat es funktioniert, wer waren die Betroffenen, wer die Begünstigten? Wie konnte ein Mann in einer demokratischen Partei soviel Macht in seiner Person vereinigen? Der CDU-Bundestags- abgeordnete Friedbert Pflüger berichtet über seine Erfahrungen mit Kohls starkem und weitreichenden Arm. Aber Pflüger sucht keine kleinliche Abrechnung. Er will die unzweifelhaften Verdienste Kohls um die deutsche und die europäische Einigung nicht schmälern. Vielmehr ist er überzeugt, daß die Affäre rückhaltlos aufgeklärt werden muss, dann aber auch Selbstreinigungskräfte freisetzt, die der Union den Weg in die Zukunft weisen. Dazu macht er eine ganze Reihe von Vorschlägen, die unsere Parteiendemokratie insgesamt reformieren sollen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.05.2000

Nobert Seitz nimmt sich das Buch des CDU-Parlamentariers und einstigen Weizsäcker-Vertrauten Friedbert Pflüger vor, der nach Ansicht des Rezensenten eine eher halbherzige Abrechnung mit dem System Kohl und eine recht offenherzige Darstellung seines persönlichen Scheiterns vorlegt. Pflüger, anfangs von Kohl gefördert, dann fallengelassen, beschreibt, wie er sich persönlich im Netz der Macht verfangen hat. Seitz sieht Pflügers Offenheit positiv, hält ihn aber zugleich für viel zu befangen, um mit wirklich analytischem Werkzeug sich an die Demontage Kohls zu machen: "Das platterdings Mafiöse und die vermuteten Formen der pekuniären Geldbeschaffung bleiben ausgespart." Immerhin vermittelt das Buch überzeugend, so Seitz, die mit der Demontage des einstigen Kanzlers einhergehenden "Kastrationsgefühle" eines CDU-Politikers.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2000

Deutlich spürbar ist in dieser Rezension der Respekt, den Christian Kind gegenüber Pflügers "Innenansichten" zeigt. Dies liegt vor allem daran, dass sich Pflüger seiner Ansicht nach nicht nur um Gerechtigkeit - trotz aller Kritik an Helmut Kohls Führungsstil - bemüht, sondern auch mit sich selbst kritisch ins Gericht geht. So berichte Pflüger recht offenherzig von seiner frühen vorbehaltlosen Verehrung für Helmut Kohl, von seinen Erfahrungen, dass die Angepassten in diesem System bei Postenvergaben besser abschnitten als die, die `an Sachthemen und Sachdebatten interessiert waren`, und dass man deshalb oftmals besser beraten war, `gar keine Meinung zu haben`. Kind betont, dass Pflüger sich bemüht, "notwendige Lehren" zu ziehen und auch Verbesserungsvorschläge macht. Als Beispiel nennt er u. a. Pflügers Plädoyer für einen Rückzug der Parteien aus Medien, Behörden, Banken, Gerichten etc. und seine Hoffnung auf eine "Abkehr vom Freund-Feind-Denken zugunsten eines offenen Wettbewerbs der Ideen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.04.2000

Warnfried Dettling scheint fast selbst ein wenig überrascht, wenn er feststellt, mit welchem Gewinn er dieses Buch gelesen hat. Denn schließlich handelt es sich bei dem Autor um einen ehemaligen glühenden Kohl-Anhänger und -Mitarbeiter, und es lag nahe, hier entweder eine Entschuldigung für den CDU-Finanzskandal zu lesen, oder eine Abrechnung. Pflüger überzeuge jedoch durch eine ehrliche Aufarbeitung, bei der er auch eigene Fehler, Eitelkeiten und auch eigenen Opportunismus nicht verschweige. Interessant erscheint dem Rezensenten, wie Pflüger zunächst seine Ungläubigkeit angesichts des Finanzskandals beschreibt, dann an eine Verschwörung glaubt, es später mit Verständnis für Kohl versucht, bis er sich schließlich, als die Fakten klar auf dem Tisch liegen, den Ursachen für das Desaster zuwendet. Dettling hält diesen Versuch einer Aufarbeitung durchaus für glaubwürdig.
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