Hans Leyendecker, Heribert Prantl, Michael Stiller

Helmut Kohl, die Macht und das Geld

Cover: Helmut Kohl, die Macht und das Geld
Steidl Verlag, Göttingen 2000
ISBN 9783882437386
Gebunden, 608 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Hans Leyendecker zeichnet den Werdegang Helmut Kohls nach bis zur wohl größten Affäre der deutschen Nachkriegszeit. Geschildert werden die Hintergründe der CDU-Parteispendenskandale seit 1949. Die Affäre ausgelöst hat der nach Kanada geflohene Waffenhändler Karlheinz Schreiber, der aus dem Dunstkreis von Kohls Männerfreund Franz Josef Strauß stammt. Schreibers Karriere vom Provinzunternehmer zum Lobbyisten für Weltkonzerne, seinen Platz im System Strauß, seine Geschäfte, seine Tarnfirmen, seine Verfolger beschreibt Michael Stiller. Heribert Prantl analysiert und bewertet die Politik Helmut Kohls und die Folgen des Skandals für ihn, für die CDU und für die politische Kultur der Bundesrepublik.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.10.2000

Eigentlich handele es sich um drei Bücher von drei Autoren, die zu einem zusammengefasst sind, meint Warnfried Dettling. Hans Leyendeckers und Michael Stillers Beiträge stünden für eine gründliche Aufarbeitung dessen, was gewesen ist: Leyendecker hat im Regime Kohl gegraben, Stiller das Amigo-System der CSU unter die Lupe genommen. Erstaunlich, so Dettling, dass bis heute eigentlich niemand erklären kann, warum das, was die CSU seit Jahrzehnten ungestraft treibe, im Falle der CDU das gesamte Parteigefüge erschüttert hat. Besonderes Augenmerk legt Dettling auf den analytischen Beitrag des Bandes, der von Heribert Prantl stammt: eine Art Blick zurück nach vorn - glänzend geschrieben, findet der Rezensent. Bald sei die Zeit vorbei, wo die CDU alles auf Kohl schieben könne, laute das Resümee Prantls, der laut Dettling traurig und erstaunt das Schweigen der Enkel Kohls konstatiert. Noch - meint dagegen der Rezensent; unmerklich entwickelten nämlich einzelne Mitglieder der CDU innovatives Gedankengut, das nur noch nicht laut und ruchbar geworden sei. Erst müssten sich Rauch und Nebel über der Kohl-Affäre gelichtet haben - auch dafür sei das Buch ein hilfreicher Beitrag.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2000

Rainer Blasius begnügt sich im wesentlichen mit einer Nacherzählung des Inhalts, ohne eine nähere Einschätzung der Machart des Buchs mitzuteilen. Aus seinem Referat ist allerdings ersichtlich, dass er dem Buch und seinen Thesen über die Parteispendenaffäre im wesentlichen günstig gegenübersteht. Ausführlich geht er auf die im Buch geschilderte bayerische Connection und die Familie von Franz-Josef Strauß ein. Und Heriberts Prantl Satz, Kohl habe "Parteiverrat" begangen, übertrifft er noch mit dem Vorwurf, dass der am Ende nur noch von "Hofschranzen" umgebene Kanzler auch seine Wähler betrogen habe. Am Buch lobt Blasius das Vorhandensein eines Personenregisters, eine Chronik der Ereignisse allerdings vermisst der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.09.2000

Die wichtigste Einsicht dieses Buches, so Bruno Schirra, ist die Tatsache, dass die Geschichte des "größten Nachkriegsskandal" der Bundesrepublik schon 1949 begann. Akribisch habe das "Dreigestirn der "Süddeutschen Zeitung" aufgedeckt, welch innige Verbindung von Anfang an zwischen Geld und Macht geherrscht haben und wie sehr illegale Parteienfinanzierung immer schon dazugehört hat. Ob die von den Autoren aufgestellten "Zehn Gebote" zur Finanzmoral der Parteien befolgt werden, wagt Bruno Schirra zu bezweifeln.
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