Kirsten Heisig

Das Ende der Geduld

Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter
Cover: Das Ende der Geduld
Herder Verlag, Freiburg 2010
ISBN 9783451302046
Kartoniert, 205 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Sie werden immer brutaler und immer jünger. Gewalttätige Jugendliche finden sich keineswegs nur in Metropolen wie Berlin, Hamburg, Zürich oder Wien. Auch in Kleinstädten meiden viele von uns bestimmte Straßen, Plätze und Stadtviertel sowie nächtliche U- und S-Bahnfahrten. Eltern und Lehrer fürchten die Gewalt in ihren Schulen, Polizei und Sozialarbeiter kommen an ihre Grenzen. Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ist schon lange nicht mehr bereit, dies hinzunehmen: "Wenn wir nicht rasch und konsequent handeln, wenn wir unsere Rechts- und Werteordnung nicht entschlossen durchsetzen, werden wir den Kampf gegen die Jugendgewalt verlieren."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.07.2010

Ein "Fachbuch einer Expertin", das auf Christian Denso wie das Fazit zwanzigjähriger Erfahrung wirkt. Er spricht aber auch von einer "beklemmenden" Lektüre. Und es ist die Nüchternheit der Beschreibung, die dieses Gefühl beim Kritiker provoziert. Denn was die verstorbene Berliner Jugendrichterin aus dem Problembezirk Neukölln schildere, zeuge von großer Verrohung jugendlicher Straftäter, von anlassloser Gewalt und Überforderung der Eltern sowie der Gesellschaft. Doch bei allem "Klartext", den dieses ungeschminkt verfasste Buch spreche, sei es auch eine Überraschung, zeige es Kirsten Heisig doch als das genaue Gegenteil einer "Richterin Gnadenlos", die ihre Kritiker in ihr stets sahen. Heisig spreche sich in ihrem Buch nämlich explizit und gut begründet gegen eine Verschärfung des Jugendstrafrechts, eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters aus und trete hier als konsequente Verfechterin des bestehenden Jugendgerichtssystems und seines Erziehungsgedankens auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2010

Mit viel Respekt gegenüber der Autorin und ihrer Arbeit liest Regina Mönch das Vermächtnis der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Für Mönch ein klares Plädoyer für die vielen durch die Kriminalitätsspirale gefährdeten Kinder und Jugendlichen, mit denen die Autorin bei ihrer Arbeit zu tun hatte. Schonungslos, aufrüttelnd und aufklärend findet sie Heisigs Analyse der Verhältnisse in Justiz, Schulwesen und Jugendhilfe, aber auch in den Familien und bei den freien sozialen Trägern. Die schwere Geburt von Heisigs "Neuköllner Modell", einem Konzept zur Gewaltprävention und Jugendhilfe, vermag Mönch nach der Lektüre nachzuvollziehen. So umfangreich und "spröde" Heisigs Bericht ihr auch mitunter erscheint, so deutlich wird der Rezensentin, wie der Alltag der Jugendrichterin aussah.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.07.2010

Eines möchte Rezensent Joachim Käppner nach der Lektüre von diesem Buch unbedingt klarstellen: Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich Ende Juni unter seltsamen Umständen das Leben genommen haben soll, passt nicht in die rechte Ecke, in die sie von ihren Kritikern - von ihr Kritisierten - oft und gern gestellt worden ist. Was er diesem postum veröffentlichten Buch entnimmt, ist vor allem ein engagiertes Plädoyer für "nötige Ungeduld", für mehr Engagement und die durchaus konsequente Anwendung des Rechts, allerdings eines liberalen. Sehr überzeugend findet er die Fälle, anhand derer Heisig darstellt, wie die Jugendkriminalität in Neukölln aus dem Ruder gelaufen ist, bei arabischen Intensivtäter, Skinheads oder drogensüchtigen Punks, die allesamt von den milden Varianten des Strafrechts nicht mehr zu erreichen sind.

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