Der Wiener Kreis ist aus dem Geistesleben des 20. Jahrhunderts nicht wegzudenken. Anknüpfend an Russell und Einstein versucht ein Team von Mathematikern, Naturwissenschaftlern und Philosophen die Grundlagen einer wissenschaftlichen Weltauffassung zu legen, im scharfen Gegenwind der reaktionären Politik der Zwischenkriegsjahre. Anschaulich, einfach und einprägsam stellt Karl Sigmund eine der spannendsten Episoden der radikalen Moderne dar - einer Episode, die vom Nationalsozialismus zerstört wurde, aber im angelsächsischen Exil reiche Früchte trug. Viele der damals angerissenen Fragen haben heute noch ihre Auswirkungen: Es führt eine Linie von der symbolischen Logik Carnaps und Gödels zur Informatik, und die wissenschaftliche Weltauffassung ist so selbstverständlich geworden, dass wir sie kaum mehr wahrnehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2015
Helmut Mayer hat schon viele Einzeluntersuchungen zum Wiener Kreis gelesen, aber solch eine breit angelegte Darstellung wie die von Karl Sigmund noch nicht. Was der Wiener Mathematiker hier leistet, ringt dem Rezensenten Respekt ab: Sigmund rekonstruiert umfassend die Geschichte und Leistungen der Wiener Philosophen, die sich ganz der wissenschaftlichen Welterkenntnis verschrieben hatten. Immer verknüpft mit den Lebensgeschichten der einzelnen Philosophen, die zuerst 1934 und dann 1938 Österreich verließen, schildert Sigmund die ideengeschichtlichen Voraussetzungen und ihre Nachwirkungen, vor allem aber die einzelnen Denkgebäude: Moritz Schlick, Ernst Mach und Rudolf Carnap, Otto Neuraths dezidierte Ablehnung der Metaphysik als "falsche Tiefe", Gödels Theoreme, die ersten Ansätze der Spieltheorie, den logischen Empirismus. Das sei keine einfache Lektüre, räumt Mayer ein, aber eine sehr lohnende.
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