Karl Ove Knausgard

Träumen

Roman
Cover: Träumen
Luchterhand Literaturverlag, München 2015
ISBN 9783630874142
Gebunden, 800 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Paul Berf. 14 Jahre verbrachte Knausgård in Bergen, bevor er aus der norwegischen Küstenstadt regelrecht nach Stockholm floh, als ginge es ins Exil. Es waren Jahre, in denen er so unermüdlich wie erfolglos versuchte, Schriftsteller zu werden, in denen schließlich seine erste Ehe scheiterte, in denen sich Momente kurzer Glückgefühle mit jenen tiefster Selbstverachtung die Hand gaben, in denen sich Demütigungen und Höhenräusche ebenso schnell abwechselten wie selbstzerstörerische Alkoholexzesse und erste künstlerische Erfolge. Dabei hatte es am Anfang so gut ausgesehen, dieses Leben in Bergen. Dem jungen Knausgård schien die Welt offenzustehen, all seine Träume schienen sich zu erfüllen. Er hatte einen Studienplatz an der Akademie für Schreibkunst bekommen, endlich eine Freundin gefunden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.10.2015

Lothar Müller nutzt Karl-Ove Knausgards fünften Roman der Reihe "Mein Kampf" für ein ausgiebiges Plädoyer. Näher noch als in den Vorgängern kommt der Kritiker dem norwegischen Autor hier, nicht nur, weil dieser "umgekehrte Don Quijote" seine radikale Selbstentblößung auf die Jahre zwischen 1988 und 2002 ausdehnt, sondern vor allem, weil er stärker als Literaturfanatiker in Erscheinung tritt: Frauengeschichten und Schreibversuche wechseln einander ab, getränkt in Unmengen von Alkohol, die Literatur wird zur größten Rivalin der Ehefrau, berichtet Müller. Dem Rezensenten imponiert, wie Knausgard sich mit seinem radikal autobiografischen Schreiben gegen den alkoholsüchtigen Vater und gegen die Kunst auflehnt. In diesem rebbelischen Gestus gegen das Pompöse, auch im höhnischen NS-Zitat erkennt Müller die "Energien des musikalischen Punk" in die Litertaur übertragen. Schließlich lobt er die Leistung des Übersetzers Paul Berf.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.09.2015

Ove Knausgårds literarischer Ansatz erinnert Christian Bos an Jean-Jacques Rousseau, dessen Einleitung der "Bekenntnisse" er sogleich zitiert: "Einen Menschen in seiner ganzen Naturwahrheit zeigen", das wolle der Norweger Knausgård schließlich sogar noch radikaler. Das auf sechs Bände angelegte Mammutwerk heißt im Original "Min Kamp", also "Mein Kampf", weiß Bos zu berichten. Die Literatur lasse der Autor darin links liegen und erzähle stattdessen sein Leben, "manisch, detailverliebt, banal". Sehnsüchtig scheint der Rezensent auf die jüngste Folge von Knausgårds Lebensbericht gewartet zu haben, er macht sich nun Gedanken über die Besonderheit dieser Autobiografien und darüber, warum bei Lesungen wildfremde Menschen dem Schriftsteller ihr eigenes Leben ausbreiten wollen. Es müsse wohl am "unverwechselbaren Knausgård-Flow" liegen, den Bos ausmacht, und an der Schonungslosigkeit dieser für den Kritiker eindrucksvollen Selbstbefragung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2015

Felicitas von Lovenberg begreift den fünften Band von Karl Ove Knausgards autobiografischem Mammutprojekt als Einladung zur Hingabe. Für sie die Bedingung, um vom Erzählstrom mitgerissen zu werden. Also Smartphone beiseite, rät Lovenberg, und eingelassen auf die schiere Monumentalität und das Identifikationangebot des Autors, wenn er das Gewöhnlichste in aller Ausführlichkeit schildert. Der Gewinn besteht laut Rezensentin in einer Nähe zur menschlichen Seele, im verstörenden Erfahren menschlicher Verfasstheit, das durch die Größe des Projekts überhaupt erst erträglich wird, wie Lovenberg findet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.09.2015

Der fünfte Band von Karl Ove Knausgårds autobiografischem Panorama hat für Detlef Kuhlbrodt was von Dogma, der Autor erinnert ihn auch an Bob den Bösen aus "Twin Peaks". Aber Kuhlbrodt mag das Mammutprojekt des Norwegers, wie er auch Proust mag. Autobiografisches Schreiben also. Doch bietet ihm Knausgard auch ein stimmiges Gesellschaftsbild von Westeuropa im ausgehenden 20. Jahrhundert. Das, was der 18-jährige Held in den Achtzigern so erlebt, das Ende seiner John-Lennon-Begeisterung, den ersten Sex und viel Einsamkeit und Selbstquälerei als angehender Schriftsteller, lässt den Rezensenten an Becks "Loser" denken. Für Kuhlbrodt ein klarer Fall von Weltliteratur.
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