Karl-Markus Gauß

Zu früh, zu spät

Zwei Jahre
Cover: Zu früh, zu spät
Zsolnay Verlag, Wien 2007
ISBN 9783552053977
Gebunden, 411 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Worum es in diesem Buch geht? Karl-Markus Gauß schreibt vom Irak-Krieg und von den Illusionen seiner aus der Wojwodina nach Amerika ausgewanderten Verwandten; er berichtet von profitablen Spermabanken und räsoniert über uralte Menschheitsfragen; er forscht seinem Vater nach, der "großen Portalfigur des Scheiterns in meinem Leben"; und die Lektüre berühmter, vergessener oder hierzulande wenig bekannter Autoren gerät ihm immer auch zur existentiellen Selbstprüfung. Viele literarische Genres stehen diesem Autor zur Verfügung, dem die scheinbaren Nebensachen nicht weniger wichtig sind als die Widrigkeiten der Epoche.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.09.2007

Paul Michael Lützeler zeigt sich auch vom dritten Band mit Betrachtungen zum aktuellen Geschehen, in dem Karl-Markus Gauß sich nun den Jahren 2003 und 2004 widmet, sehr angetan. Wie schon in den Bänden zuvor überzeugt ihn der Autor mit seiner unfehlbaren Stilsicherheit und seiner tapferen Polemik. Er sieht ihn hier in würdiger Nachfolge von Autoren wie Karl Kraus, Carl Amery oder Hans Magnus Enzensberger. Eigentlich hätte Gauß den Band auch "Der neue Vandalismus" nennen können, findet der Rezensent, denn darum gehe es im Kern: Fortschreitende politische, wirtschaftliche und kulturelle Verrohung allerorten, gegen die der Autor die Texte von Montesquieu oder Amery ins Feld führt. In den "witzig-melancholischen" Kindheitserinnerungen Gauß', die den Band abrunden, hat Lützeler dann schließlich noch ein Gegengewicht zu den kritischen Betrachtungen gefunden. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.08.2007

Geradezu ehrfürchtig schreibt Rezensent Joseph Hanimann über diese Essays des feinsinnigen, reaktionsschnellen, scharf formulierenden Kulturmenschen" Karl-Markus Gauß, der in diesem Band seine Gedanken und Beobachtungen der Jahre 2003 und 2004 zusammenfasst. Sie reichen vom Irakkrieg über Berlusconi und Europa bis zur Reformrhetorik der Sozialstaatsgegner. In einer seltenen Kombination aus "politischer Langzeitaktualität" und "literarischer Inaktualität" verbinden sie sich für den Rezensenten zu einem "Weltbetrachtungsmosaik", in dem sich ebenso kritische Distanz wie drängendes Engagement spiegelten. Schließlich sieht Rezensent Hanimann auch noch Sperber, Canetti und Amiel in diesem Journal aufleuchten, was seine Lesefreude noch mehr gehoben hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2007

Franz Haas bejubelt den dritten Band mit Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 2003 und 2004 von Karl-Markus Gauß als sprachliches und gedankliches Virtuosenstück. Scharfsinnige essayistische Betrachtungen wechseln sich ab mit persönlichen Auskünften, wiewohl der Autor seinen Lesern nie zu viel Intimität zumutet, wie der Rezensent erleichtert registriert. Dennoch hat ihn das Denkmal, das Gauß darin seinem verstorbenen Vater setzt und die Schilderung des 9 Monate andauernden Sterbens der Mutter am stärksten an diesem Buch berührt, die er als Glanzpunkte des Journals preist. Ansonsten nehmen ihn die bösen Kommentare zum Weltgeschehen genauso für das Buch ein wie die "poetische Eloquenz", mit der der Autor Persönliches erzählt. Haas gibt sich ganz dem Vergnügen der bemerkenswerten sprachlichen Bandbreite Gauß' hin, wobei er bewundernd bemerkt, dass der Autor auch die "Kunst des Weglassens" beherrscht. Die Nachricht, dass es sich bei dem vorliegenden um den letzten Band mit Tagebuchaufzeichnungen handelt, den Gauß zu veröffentlichen gedenkt, nimmt Haas mit großem Bedauern auf, aber er tröstet sich mit dem Gedanken, dass man ja aufhören soll, "wenn es am schönsten ist".
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