Karl-Markus Gauß

Die sterbenden Europäer

Unterwegs zu den Sorben, Aromunen, Gottscheer Deutschen, Arabereshe und den Sepharden von Sarajewo
Zsolnay Verlag, Wien 2001
ISBN 9783552051584
Gebunden, 260 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Karl-Markus Gauß, dessen Aufmerksamkeit seit langem den randständigen Nationalitäten gilt, ist in den vergangenen Jahren immer wieder aufgebrochen zu jenen kleinen Völkern, denen Europa seine Vielfalt an Kultur verdankt...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.07.2001

Sehr bewegt hat Andreas Nentwich dieses Buch, und melancholisch liest sich seine Rezension. Das "wunderbare" Buch über ethnische Minderheiten in Europa macht den Rezensenten traurig, da die Welten in die es ihn führt, allesamt ohne Zukunft sind. Für gut lesbar befindet er das Buch, trotz der Verbindung von politischer Analyse, historischem Exkurs, kulturpolitischer Reflexion, Reportage, Interview und Reisebild zu einer Eigengattung. Diese Eigengattung sei von "hoher literarischer Qualität". Auch verfalle das Buch nicht in Zivilisationskritik und zeige die Kehrseite des unaggressiven Eigensinns der Minderheiten, wie die naive Selbstbezogenheit und den kindlichen Blick auf den Rest der Welt. Dies beschreibe der Autor bisweilen in einer "wunderbar ironisierten Art". Als "Paradiese des Herzens" werden die friedlichen Minderheiten von Nentwich bezeichnet und ihn stimmt es außerordentlich nachdenklich, dass der Zugang zum Paradies wohl bald versperrt sein wird. Viele gute Gründe für einen "dritten Weg in die Global Community", abseits von "nationalem Wahn" und "kultureller Nivellierung" liefere das Buch über Sepharden, Gottscheer Deutsche, Arbereshe, Sorben und Aromunen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.05.2001

Marica Bodrozic wünscht diesem Buch viele Leser. Die Rezensentin ist ganz und gar berührt von den mit "seltener poetischer Intensität" geschriebenen Essays über vergessene Völker in Europa. Der Autor habe sich auf unwägbares, von der Erinnerung ausgespartes Gelände begeben. Denn wer könne schon, fragt Bodrozic, über die Vergangenheit der Sepharden Sarajevos, der Aromunen oder der Gottscheer erzählen. Mit ethnologischem Gespür und Neugierde habe der Autor ein feines Netz aus Gegenwart und Geschichte geflochten und lade den Leser ein, als Flaneur zwischen den Welten zu spazieren. "Karl-Markus Gauß hat die unbekannten Räume des Dazwischen mit ereignisreichem europäischen Leben gefüllt und eine gleichermaßen poetische wie profunde Hommage an 'Europas Ränder' geschrieben", lautet das Fazit der überaus begeisterten Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.04.2001

Nach Hans-Peter Kunisch gelingt es dem Autor hier, das "zu sehen, was andere überfliegen". Und so bewegt sich Gauß, wie der Leser erfährt, abseits von Ost-West-Ideologien in Ländern und auf den Spuren von Kulturen, die normalerweise nicht im Blickpunkt stehen. Etwa in Kalabrien, wo katholische Albaner schon seit fünfhundert Jahren leben, ihre Pfarrer sogar mit Segen des Papstes heiraten dürfen und die ihre Messen auf griechisch lesen, auch wenn sie sonst albanisch und italienisch sprechen. Kunisch gefallen Ausflüge dieser Art, die Gauß auch in andere Gegenden Europas unternimmt, weil es hier "nicht auf die Zahl der Kilometer" ankomme, um etwas von Europa zu erfahren, sondern auf den Blick. Dabei zeigt sich Gauß, wie der Rezensent anerkennend bemerkt, "selten idyllisierend, nie naiv", sondern vor allem als Spurensucher, als "sorgfältiger Geschichtensammler und Privat-Wissenschaftler".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2001

Der Salzburger Publizist Karl-Markus Gauß hat sich auf eine ungewöhnliche Reise begeben. Er besuchte fünf Regionen in Europa, in denen die Nachfahren von vertriebenen oder geflohenen Volksgruppen leben: sephardische Juden in Sarajewo, Sorben im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, Gottscheer im slowenisch-kroatischen Grenzgebiet, Albaner in Kalabrien und Aromunen in Mazedonien, berichtet Renate Wiggershaus. Die Rezensentin ist von Gauss' kenntnisreichem und anschaulichem Bericht sehr beeindruckt und hält das Buch für einen "wichtigen, differenzierten und nachdenklich stimmenden Beitrag zum kulturellen Selbstverständnis eines sich neu formierenden Europa".