Die Weimarer Minderheitenpolitik war zweischneidig: Nach außen hin wollte man sich im Interesse der Auslandsdeutschen vorbildlich zeigen, im Inneren blieb jedoch das Ziel, die "Fremdsprachlichen" zu assimilieren. In diesem Konflikt entwickelten Regierung und Ver-waltung eine Geheimpolitik, die sich gegenüber den Minderheiten in Deutschland taktisch großzügig gab, hinter dieser Fassade jedoch gezielt auf einen Sieg der deutschen "Volkstums-kräfte" setzte. Dieses Kalkül eines "demokratischen Volkstumskampfes" ging indes nicht auf. Thomas Göthel zeigt das am Umgang der deutschen Politik mit der dänischen Minderheit in Schleswig und der polnischen Minderheit in Oberschlesien. Von einem buchstäblichen "Randproblem" kommend, beleuchtet die Analyse eine grundsätzliche Problematik der Weimarer Republik: den schließlich völlig überspannten Dualismus zwischen Nation und Rechtsstaat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2002
Wolfgang Elz findet es folgerichtig, dass sich Thomas Göthel mit dem Thema Minderheiten in seiner Studie intensiv auseinandersetzt, stehe dieses Thema doch gerade nach der "Auflösung der Bipolarität" wieder auf der Tagesordnung des Weltgeschehens, meint der Rezensent. Der Autor nun habe sich mit der "Minderheitenfrage" in der Weimarer Republik beschäftigt und führe dem Leser anhand der Auseinandersetzungen über Schulordnungen in Schleswig und den Ostprovinzen vor, wie sehr der Staat darum bemüht war, das "Fremdsprachliche" zu "gewinnen". Dafür habe Göthel "analytische Raster" entwickelt und empirische Quellen intensiv ausgewertet. Besondere Zustimmung erteilt der Rezensent dem Autor darin, dass er auf die Schwierigkeiten zwischen dem Nationalstaat und Minderheitenrechten hinweise. Die seien nämlich, stimmt Elz zu, nur sehr schwer auflösbar.
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