Herausgegeben von Friedrich Pfäfflin. Als die von Max Reinhardt entdeckte Schauspielerin Kete Parsenow 1903 in Gorkis "Nachtasyl" in Wien auftrat, warben Peter Altenberg und Karl Kraus um sie, Adolf Loos war von ihrer Erscheinung hingerissen, und Frank Wedekind wollte sie ans Nürnberger Theater verpflichten. Zwischen Kraus und Parsenow entwickelte sich ein lebhafter Briefwechsel: 150 Briefe und Karten von Kete Parsenow an Karl Kraus haben sich aus den Jahren 1910 bis 1930 erhalten; seine Antworten sind verloren. Die charismatische Schauspielerin war seit 1914 mit dem Klassischen Philologen Walter F. Otto verheiratet, einem begeisterten Leser von Karl Kraus. Dieser schlug Kraus 1926 zum Nobelpreis vor. 1934 zog das Ehepaar nach Königsberg. Dort ging 1945 im Feuersturm der untergehenden Stadt alles verloren: Manuskripte, Briefe, die Bibliothek. Friedrich Pfäfflin hat diese erstaunliche Lebensgeschichte zwischen Literatur, Theater und Wissenschaft rekonstruiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2013
Für Hans-Albrecht Koch bieten diese von Friedrich Pfäfflin zusammengestellten und kommentierten Dokumente, Briefe, Postkarten und Berichte um und zur Reinhardt-Schauspielerin Kete Parsenow mehr als Privates. Durch die Korrespondenzen mit Wedekind, Lasker-Schüler, Karl Kraus, Schnitzler und Döblin entfaltet der Band laut Koch ein theater-, kultur- und wissenschaftsgeschichtliches Panorama des frühen 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.02.2012
Der Wallstein Verlag hat zwei weitere Bände mit Korrespondenzen und Dokumenten um Karl Kraus publiziert, die sich Burkhard Müller vorgenommen hat. Friedrich Pfäfflin hat seinen Band mit Briefen, die Schauspielerin Kete Parsenow an Karl Kraus schrieb, einen außerordentlich umfangreichen Kommentar zur Seite gestellt, der nicht zuletzt auch die Zeit mit ihren kulturellen und gesellschaftlichen Verknüpfungen aufschlussreich erhellt, wie der Rezensent lobt. Die Briefe Parsenows allerdings findet er da weniger interessant, da es sich vorwiegend um Bettelbriefe oder Mitteilungen von dem Kaliber "Mir geht es gut, wie geht es Dir?" handelt, wie er wenig begeistert anmerkt. Da Kraus' Antworten fehlen, steht der inhaltlichen und stilistischen Dürre leider wenig entgegen, muss der Rezensent erkennen, zumal der Herausgeber wichtige Punkte ihrer Beziehung "beharrlich ausklammert" oder bestenfalls andeutet.
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