Justine Levy

Schlechte Tochter

Roman
Cover: Schlechte Tochter
Antje Kunstmann Verlag, München 2010
ISBN 9783888976438
Gebunden, 175 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Louise ist schwanger, eine Überraschung, ein Glück. Doch beinahe gleichzeitig erfährt sie, dass ihre Mutter im Sterben liegt. Die schöne, von allen bewunderte Frau, die man sich hinfällig, hilfsbedürftig kaum vorstellen kann. Die ferne Mutter, die sie als Kind im Stich gelassen hat. Louise möchte ihr gerne nahe sein, für sie sorgen, sich mit ihr zusammen auf das Kind freuen. Und traut sich doch kaum, ihr von der Schwangerschaft zu erzählen. Wird die Mutter sich nicht zurückgesetzt, verraten fühlen? Louise wird sie, als gute Tochter, bis zum Tod begleiten, ihre Launen und Ängste ertragen, den körperlichen Verfall. Und hofft doch noch vieles zu klären aus der verpatzten Kindheit, endlich das Gefühl loszuwerden, nie wirklich wahrgenommen, geliebt worden zu sein. Wie kann man selbst eine gute Mutter werden, wenn die eigene versagt hat? Seine Tochter so lieben, wie man als Kind nie geliebt wurde? Wieso hat man noch als Erwachsene das Gefühl, an allem selbst schuld und als Tochter nie gut genug zu sein?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2010

Anja Hirsch ruft das Jahrzehnt der Töchterbücher aus. Wie Justine Levy in diesem Buch ihre Beziehung zur sterbenden Mutter als selbtsironische, traurige Chronologie des Abschieds und des Werdens (die Erzählerin ist selber schwanger) inszeniert, hat allerdings Hirschs uneingeschränkten Respekt. Befreit von der eigenen Geschichte, die hier zwar verarbeitet wird, doch weitere, über das Intime hinausgehenden Themen, zum Beispiel den Arzt-Patienten-Diskurs, anstößt, sieht Hirsch die Autorin, lobt aber zugleich die eruptive Kraft des Porträts der Mutter, "fast ein Memorial". In dieser Schwebe zwischen der Distanz der Autorin zum Stoff und der Nähe der Erzählerin zum Drama und auch zum Glück der Mutter-Tochter-Beziehung liegt für die Rezensentin offenbar der Reiz des Buches.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2010

Johannes Willms schreibt den großen Erfolg, den Justine Levy bereits mit den ersten beiden Teilen ihrer Trilogie nicht allein dem unbestrittenen Talent der Autorin zu, sondern auch dem Bekanntheitsgrad der darin vorkommenden Protagonisten. So arbeitet sie in den ersten beiden Romanen ihre Beziehung zum Vater, dem "prominentesten Intellektuellen Frankreichs", Bernhard-Henri Levy, ab und erzählt, wie ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verlässt, von der jeder wisse, dass es sich um Carla Bruni handelt, so der Rezensent. Im dritten Roman dieser mitunter erfrischend ironischen "Lebensbeichte" nun beschäftigt sich Levy sowohl mit dem Krebstod der Mutter, wie sie sich auch dem eigenen Mutterwerden zuwendet. Sehr "überzeugend" findet Willms die vielen Fragen und Ambivalenzen um das Muttersein und die Mutter-Tochter-Beziehung angepackt, und er empfiehlt deshalb wärmstens den Roman als hilfreiche Lektüre für Töchter mit einem schwierigen Verhältnis zu ihren Müttern.
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