Veronique Olmi

Nummer sechs

Roman
Cover: Nummer sechs
Antje Kunstmann Verlag, München 2003
ISBN 9783888973383
Gebunden, 100 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sigrid Vagt. Fanny ist das jüngste der Geschwister, Nummer sechs, wie der Vater sie gerne nannte. Der geliebte, stets anderweitig beschäftigte Vater, um dessen Anerkennung sie ein Leben lang kämpfte. Jetzt ist er alt, und Fanny hat es übernommen, ihn zu versorgen. Eine letzte Chance für sie, ihm endlich nahe zu kommen? Eine vorsichtige Annäherung findet statt, aber im Grunde ist es zu spät. Der alte Mann ist nicht mehr der autoritäre bewunderte Patriarch von früher, der ihr ganzes Leben geprägt hat, undvon dem sie so gerne wüsste, was für ein Mensch er wirklich war.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.06.2004

Ziemlich enttäuscht zeigt sich Meike Fessmann von Veronique Olmis zweitem Roman, zumal sie den Erstling in äußerst guter Erinnerung behalten hat. In "Nummer Sechs" inszeniere Olmi die Geschichte des vernachlässigten Nesthäkchens einer kinderreichen Familie. Als der Vater altersdement ins Heim kommt, und sich keins ihrer fünf Geschwister um ihn kümmern will, übernimmt "Nummer Sechs" die Aufgabe und rechnet mit ihm ab über alles, was ihr an Aufmerksamkeit versagt wurde. Etwas dünn für einen Roman, bemerkt die Rezensentin, und das habe wohl auch Olmi so empfunden, denn sie flicht als weiteren Erzählstrang die Vergangenheit des Vaters ein, wie "Nummer Sechs" sie anhand seiner Kriegsberichte rekonstruiert, um ihm näher zu sein. Doch diese Rechnung, so Fessmann, geht nicht auf, denn Olmi hat es sich mit dieser einfachen Dreingabe "zu leicht gemacht", und "Nummer Sechs" gerate zu einer "verunglückten Mischung aus Banalität und Pathos". Insgesamt fehlt es dem Roman an der beeindruckenden Intensität seines Vorgängers, bedauert die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

"Short Cuts, knapp erzählte Episoden von filmischer Eindringlichkeit" - so knapp eröffnet auch eine spürbar beeindruckte Sibylle Becker-Grüll ihre Besprechung von Veronique Olmis zweitem Roman. Er handelt von einer verspäteten Tochter, die hineingeboren wird in eine Familie, die eigentlich vollständig ist: "Frei ist lediglich der dürre Außenposten der Beobachterin." Ein halbes Leben lang, so Becker-Grüll, verharrt sie dort und ringt um etwas, das sie nie erlangt: die Liebe ihres Vaters, von der sie sich aber umso mehr abhängig macht. Irgendwann ist sie fünfzig und hat selber eine fast erwachsene Tochter, er ist hundert und todkrank, und sie hat ihn für sich - zum ersten Mal. Sie schaut zurück und zeichnet sein Bild - der bewunderte Mann, der verachtete Mann -, bis sie endlich im Sterbenden auch den "kreatürlich leidenden Menschen" sehen und beginnen kann, sich aus seinem Bann zu lösen. Olmi, schreibt Becker-Grüll, "erzählt diese unglückliche Kindheit in einem Ton milder Melancholie, der selten bitter klingt." Und mit einem tröstlichen Ende.
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