Juri Rytcheu

Die Reise der Anna Odinzewa

Roman
Cover: Die Reise der Anna Odinzewa
Unionsverlag, Zürich 2000
ISBN 9783293002715
Gebunden, 304 Seiten, 19,94 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Charotte und Leonhard Kossuth. Am Morgen des 21. Februars 1947 geht Anna Odinzowa, Ethnografin aus Leningrad, im kleinen Hafen von Uelen an Land. Sie ist am Ziel ihrer Träume: Seit Jahren hat sie die tschuktschische Sprache und Kultur studiert. Jetzt will sie aus nächster Nähe das unerforschte Leben der Nomaden in der Tundra kennenlernen. Tiefer als alle Ethnografen zuvor will sie sich mit dem Volk verbinden, das ihr Forschungsgegenstand ist. Sie vermählt sich mit Tanat, dem Sohn des letzten Schamanen, und zieht mit seiner Sippe in die Tundra. Aus Angst vor der Kollektivierung flieht die Familie mit ihrer tausendköpfigen Rentierherde in die entlegensten Gebiete. Als die Katastrophe über das Lager hereinzubrechen droht, macht der alte Rinto die Frau mit den stahlblauen Augen zu seiner Nachfolgerin. Er weiht sie ein in die bedrohten Künste und Geheimnisse der Schamanen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2000

Mit viel Sympathie bespricht Birgit Veit den Roman des Tschuktschen Juri Rytcheu, der mittlerweile in St. Petersburg lebt und russisch schreibt. Nebenbei klärt uns Veit darüber auf, dass die Tschuktschen bei den Russen, wie bei uns die Ostfriesen, als Witzfiguren herhalten müssen; in Wirklichkeit sind sie ein kleines 12.000 Menschen umfassenden Volk, das im Nordosten Sibiriens lebt. Früher waren sie Nomaden, bis die Zwangskollektivierung Stalins zuschlug. Veit teilt den Roman in drei Ebenen: eine ethnographische, die von der Rezensentin in den wärmsten Tönen gepriesen wird; eine historische, die recht informativ dieses düstere Kapitel der Stalinzeit schildere; und eine psychologische, die Veit völlig trivial und konventionell findet. Was aber die Schilderung der Landschaft und der Bräuche dieses Volkes angeht, so führt aber kein Weg an diesem Buch vorbei, schwärmt die Rezensentin.
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