Aus dem Russischen von Friedrich Hitzer. Die Zeit scheint für beide abgelaufen. Der einst unbezwingbare Schneeleopard Dschaa-Bars fühlt seine Kräfte schwinden und will sich zum Sterben in ein unzugängliches Tal im kirgisischen Hochgebirge zurückziehen. Und Arsen Samantschin, der unabhängige Journalist, wird von der Welle des entfesselten Kommerzes in seiner Heimat überrollt. Die Medien kuschen, Oligarchen und Fanatiker drängen sich vor, und seine große Liebe, die Sopranistin Aidana, feiert als Popstar Triumphe. Das Schicksal führt Arsen und den Schneeleoparden in einer atemberaubenden Wendung zusammen: arabische Prinzen haben sich zu einer luxuriösen Jagdpartie angekündigt. Arsen soll sie als Tourmanager und Dolmetscher begleiten. Aber nicht alle im Dorf wollen es hinnehmen, dass es bei diesem Geschäft so wenige Gewinner und so viele Verlierer gibt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2007
Mit gemischten Gefühlen hat Rezensent Ludger Lütkehaus Tschingis Aitmatows Roman "Der Schneeleopard" gelesen. Nachdem ihn anfangs der "parallel geführte tierisch-menschliche Doppelroman" begeistert, stöhnt er bald unter der thematischen Überfrachtung. Seiner Meinung nach versucht der Autor, alle möglichen "Zeitthemen" in seine Geschichte zu packen und damit eine Verbindung zwischen Traditionalität und Moderne zu schaffen. Auch die "gnadenlos weitschweifigen inneren Monologe" des Protagonisten können ihn nur bedingt überzeugen Zum Ende hin zeigt sich Lütkehaus aber dann doch wieder versöhnlich. Der Schluss hält eine Überraschung bereit, verspricht er, und "ist ebenso fulminant wie der Beginn".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2007
Zutiefst enttäuscht zeigt sich Rezensentin Sabine Berking von Tschingis Aitmatows Roman "Der Schneeleopard". Sie mag kaum glauben, dass dieses Buch tatsächlich aus der Feder Aitmatows stammt, eines Schriftstellers, den sie etwa für seine berühmte Liebesgeschichte "Dshamila" oder die poetische Novelle "Der weiße Dampfer" eigentlich sehr schätzt. Im vorliegenden Fall allerdings findet Berkin nichts, was zur Ehrenrettung des Romans angeführt werden könnte. Die Geschichte, die Aitmatow hier erzählt, fällt für sie eindeutig in die Kategorie "Kolportage", die Lektüre empfindet sie als Qual. Darum kommt sie auch nicht umhin, das Werk als "bizarres Potpourri aus holzschnittartigen Protagonisten und kruden Klischees" zu brandmarken.
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