Der Anatom August Hirt ermordete im August 1943 im Konzentrationslager Natzweiler 86 Menschen. Deren Skelette wollte er in Straßburg in einem Museum ausstellen, um die von den Nationalsozialisten propagierte Minderwertigkeit der "jüdischen Rasse" zu demonstrieren. Diese Interpretation findet sich bis heute in den Geschichtsbüchern, nicht zuletzt, weil sie genau so von Angeklagten und Zeugen in den Nürnberger Prozessen gleichlautend bestätigt wurde. Doch dem Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der sich wie kein Zweiter für die Bestrafung von NS-Tätern eingesetzt hatte, kamen Zweifel. Er vermutete ein anderes Motiv und einen anderen Tathergang. Nach Bauers Auffassung mussten noch weitere Täter an den Verbrechen beteiligt gewesen sein. Der legendäre 'Nazi-Jäger' verstarb, nachdem er 1965 persönlich weitere SS-Angehörige angeklagt hatte. Nach seinem Tod arbeitete das Gericht halbherzig. Am Ende musste nicht ein einziger der Angeklagten in Haft. Das Buch zeichnet nun auf Grundlage vieler - teilweise bisher unbekannter - Quellen den tatsächlichen Verlauf des Verbrechens nach.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.07.2018
Dass seriöse Wissenschaft Augen öffnen kann, erfährt Wolfgang Benz mit Julien Reitzensteins Arbeit über das SS-Ahnenerbe. Die Studie erhellt ihm nicht nur den Sachverhalt hinter der Straßburger Skelettsammlung und den rassistischen Studien des August Hirt, sondern macht dies auch mit präziser Beweisführung, ebensolchem Quellenstudium und auch auf die Gefahr der Wiederholung hin, wie der Rezensent anerkennend feststellt. Eine notwendige, wenngleich nicht immer angenehme Lektüre, meint er, da die Wahrheit hinter der Legende um den Alleintäter Hirt noch viel verstörender ist und die Lebenslüge der Tätergeneration aufdeckt.
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